Tel Aviv/Gaza. Rund 500 internationale Aktivisten wollten am Dienstag in Athen mit einem Dutzend Schiffen in See stechen. Ihr Ziel ist der Gaza-Streifen. um Hilfsgüter in das Palästinensergebiet zu bringen, wollen sie die von Israel durchgesetzte Seeblockade durchbrechen. Israels Regierung will genau das verhindern - notfalls auch mit Gewalt.

Die Armee habe entsprechende Anweisungen erhalten, sagte Verteidigungsminister Ehud Barak. Ein Blutbad wie das von 2010 soll allerdings, wenn möglich, vermieden werden. Damals hatten israelische Soldaten der Eliteeinheit "Shayetet 13" bei der Erstürmung des türkischen Hilfsschiffes Mavi Marmara neun türkische Solidaritätsaktivisten erschossen und damit einen internationalen Protestschrei ausgelöst. Diesmal soll es zivilisierter zugehen. "Wir werden sie zunächst warnen, wir werden erklären, wir werden Reibungen möglichst vermeiden, aber letzten Endes kann die Flotille nicht nach Gaza", erläuterte Barak die neue Taktik gegenüber den Aktivisten. Auch Regierungschef Benjamin Netanyahu beteuerte, dass eine "Konfrontation mit den Menschen an Bord der Schiffe so weit wie möglich vermieden werden" solle. Selbst das Außenministerium musste zugeben, dass vorwiegend Menschenrechtsaktivisten und keine Terroristen an Bord gehen wollten.

Ausländischen Journalisten, die an Bord der Schiffe sind, drohte er mit einem zehnjährigen Einreiseverbot. Zudem versucht die Regierung, die Aktivisten in Misskredit zu bringen. Sie behauptete gegenüber israelischen Medien, dass einige Schiffe mit Chemikalien ausgerüstet wurden, um israelische Soldaten am Entern der Schiffe zu hindern. Die Organisatoren der Hilfsflotte riefen daraufhin internationale Organisationen dazu auf, ihre Schiffe eingehend zu kontrollieren. Sie könnten sich selbst davon überzeugen, dass nur Hilfsgüter und Medikamente geladen seien.

Unterdessen verzögerte sich die Abfahrt aus dem Hafen von Piräus wegen eines Schiffsschadens. Eine der Hilfsflottille wurde dort am Montagabend schwer beschädigt. Unbekannte hätten die Schiffsschraube und die Antriebswelle des griechisch-schwedischen Passagierschiffs am Montagabend abgeschlagen, sagte einer der griechischen Organisatoren der Flotte, Dimitris Plionis. Er sprach von "Sabotage". Insgesamt beteiligen sich an der Freedom Flottilla II" getauften Aktion 80 Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften und politische Parteien aus aller Welt. Unter den österreichischen Teilnehmern sind der Autor und Aktivist Leo Gabriel und der oberösterreichische Sozialwissenschaftler Gerald Oberansmayr.