Der Ex-Solidarnosc-Politiker sagte, das EU-Parlament würdige damit den mutigen Einsatz der Menschenrechtsaktivisten, die in Russland "nach der Wahrheit suchen". Buzek äußerte die Hoffnung, dass "damit auch Unsicherheit, Angst und Gewalt gegen die Verteidiger der Menschenrechte in Russland reduziert werden". Es sei "eine Tatsache, dass heute die Russen nach Wahrheit suchen und ihre Tätigkeit nicht frei und ungehindert ausüben können. Das ist eine Tragödie, nicht nur für ganz Europa", betonte der Pole.

Oleg Orlow. Foto: ap
Oleg Orlow. Foto: ap

Die Geehrten selbst sehen den Preis als "Auszeichnung für die gesamte russische Bürgerrechtsbewegung". Es bleibe aber "ein bitteres Gefühl", so Memorial-Vorsitzender Oleg Orlow, denn das Streben nach mehr Rechtssicherheit in Russland werde immer weiter sabotiert.

Die 1988 gegründete Gruppe eckt immer wieder bei kriminellen Organisationen und staatlichen Stellen in Russland an. Auszeichnungen wie 2001 der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis oder jetzt der Sacharow-Preis sind im eigenen Land kaum vorstellbar. Vielmehr gehören Todesdrohungen, Hausdurchsuchungen und Prozesse zum Alltag der Gruppe.

Mord an Mitarbeiterin

International für Schlagzeilen und Proteste sorgte im Juli die Ermordung der Memorial-Mitarbeiterin Natalja Estemirowa im Kaukasus. Als Orlow den tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow für die Bluttat verantwortlich machte, verklagte der umstrittene Politiker die Organisation auf 230.000 Euro. Vor wenigen Tagen erst musste der Historiker Michail Suprun, der für Memorial die Schicksale von Russland-Deutschen unter Stalin erforscht, eine Razzia wegen angeblichen Datenmissbrauchs über sich ergehen lassen. Memorial versteht sich - wie der Name unterstreicht - auch als Gedächtnis Russlands.