Ein neuer Star ist der ägyptische, betont westlich gekleidete TV-Prediger Amr Mohamed Helmi Khaled. Seit seiner ersten TV-Show "Worte aus dem Herzen" im Jahr 2001 greift er Probleme wie die Arbeitslosigkeit auf und gibt moralische Ratschläge.

Wer ist Fundamentalist?

Das Wort "Fundamentalismus" suggeriert Zwang, geistige Enge und Gewalt. Kein Wunder, dass nur die wenigsten Personen, die in der Öffentlichkeit als fundamentalistisch gelten, sich selbst auch so bezeichnen. Das war nicht immer so.

Früher trugen konservative Christen den Begriff mit Stolz. Ab 1910 erschien die Buchreihe "The Fundamentals", in der Theologen verschiedener Konfessionen den wörtlichen Sinn der Bibel gegen Evolutionstheorie und historisch-kritische Bibelexegese verteidigten. Laut dem baptistischen Pastor Curtis Lee Laws (1868 bis 1946) halten Fundamentalisten an den Fundamenten fest und "kämpfen erbittert für den Glauben."

"Heute würde sich wohl nur ein kleiner Prozentsatz evangelikaler Christen als fundamentalistisch bezeichnen", meint der Buchautor Richard Land von den Southern Baptists. Es sei unfair, "sie mit Islamisten zu vergleichen, die zu Waffen greifen und Menschen töten", so Land.

Ahmad Dallal, Professor für arabische und islamische Studien an der Georgetown Universität in Washington, bemerkt, dass das arabische Wort für fundamental - "usul" - früher nie in diesem Kontext verwendet wurde. "Es hat aber eine gewisse Logik, da christliche wie islamische Fundamentalisten die wortgetreue Interpretation ihrer heiligen Texte betonen."

Traditionalistische oder wertkonservative Katholiken weisen die Zuschreibung "fundamentalistisch" zurück. Für zutreffend hält sie der Religionsexperte Martin Marty im Fall der

Pius-Bruderschaft, da diese zentrale Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils - und zwar die Texte über Religionsfreiheit und die Anerkennung des säkularen Rechtsstaats - ablehnt.

Konservative Katholiken wie die "thecons", eine Gruppe von US-Intellektuellen, seien keine Fundamentalisten, da sie das Zweite Vatikanum annehmen. George Weigel, bekannter "thecon" und Autor einer umfangreichen Biographie Papst Johannes Pauls II., lehnt das Wort "fundamentalistisch" ab: Den Begriff "verwenden säkulare Personen mit Vorurteilen".