"Viele Japaner, die bisher kaum Interesse am Thema hatten und an die massiv propagierte Sicherheit der Atomkraft geglaubt haben, sind jetzt wachgerüttelt und sagen, wir müssen uns umorientieren", erzählt Atomkraftgegner Tomoyuki Takada. Fukushima habe allen schmerzhaft klar gemacht, wie gefährlich Atommeiler sein könnten. Das Vertrauen schwinde mit Meldungen über Rückschläge in Fukushima, verseuchtem Trinkwasser, Gemüse oder unverkäuflichem Fisch.

Die Japaner hätten gemerkt, dass die Technik nicht so beherrschbar sei, wie von Regierung und Energieunternehmen stets versprochen, sagt Masako Sawai vom Tokioter Atom-Info-Zentrum CNIC. "In Japan fließt fast alles Geld in die Atomkraft, andere Formen der Energien, also erneuerbare Energien, hat man (...) kaum ausprobiert und einfach vernachlässigt", kritisiert sie im Deutschlandradio.

Während das CNIC früher fast unbeachtet von der Öffentlichkeit gearbeitet hat, sind Infos und Messungen nun bei der besorgten Bevölkerung begehrt.

Am 16. Juli 2007 löste ein Erdbeben der Stärke 6,6 einen Transformatorbrand im AKW Kashiwazaki aus. In der Folge wurde radioaktives Material freigesetzt. - © CNIC
Am 16. Juli 2007 löste ein Erdbeben der Stärke 6,6 einen Transformatorbrand im AKW Kashiwazaki aus. In der Folge wurde radioaktives Material freigesetzt. - © CNIC

Großdemonstrationen sind freilich nicht die Sache der Japaner. In Nagoya gingen jüngst gerade einmal 300 Japaner auf die Straße, um gegen das AKW Hamaoka zu protestieren. In Tokio machten vor einigen Tagen gut 1.000 Demonstranten ihrer Angst und ihrem Ärger Luft.

Die Sorge gilt - neben Fukushima - vor allem zwei Atommeilern, in denen es schon viele Zwischenfälle gab: Hamaoka - zwischen Nagoya und 170 Kilometer südlich von Tokio - und Kashiwazaki-Kariwa im Norden am Japan-Meer.

"Hamoka ist das größte AKW in Japan. Es liegt in einer besonders erdbebengefährdeten Region und muss sofort abgeschaltet werden", verlangt Takada, der eine Bürgerbewegung gegen den Meiler unterstützt. Hamaoka ist ab Stärke 8 nicht geschützt. Gibt es noch eine Katastrophe, ist Japans Existenz bedroht", glaubt der nahe Düsseldorf lebende Übersetzer. Seit 2001 gab es mehrere Störfälle in Hamaoka.

Klare Botschaft trotz seltsamer Formulierung. - © Reuters / Issei Kato
Klare Botschaft trotz seltsamer Formulierung. - © Reuters / Issei Kato

Auch im AKW Kashiwazaki gab es Pannen und Zwischenfälle, 2007 einen Kraftwerksbrand, ausgelöst durch ein Erdbeben. Unfälle oder Baumängel in vielen Meilern wurden verschwiegen, Prüfberichte gefälscht, wie sich später zeigte.

Regionaler Widerstand hat sich auch gegen die Wiederaufbereitungsanlage Rokkasho im Nordosten entwickelt. Das auf eine Kapazität von 800 Tonnen Uranium oder 8 Tonnen Plutonium angelegte Werk wird von einer Initiative des Musikers Ryuichi Sakamoto ebenso bekämpft wie von der Greenpeace-Kampagne Wings of Peace - No more Hiroshima Nagasaki.

(APA / Red.)

Links

CNIC

+++ Stop Rokkasho

+++ Wings of Peace

+++ Stop Hamaoka (japanisch)