Das am Vortag in einem Eilverfahren verhängte Urteil gegen Nemzow hatte unter den Dissidenten für Empörung gesorgt. Die Verhaftung Nemzows und 120 anderer Kreml-Kritiker am Silvesterabend sei "ein offener Angriff" vonseiten des Staates, monierte der bekannte Bürgerrechtler Lew Ponomarjow. Auch die "Grande Dame" der russischen Opposition, Ljudmila Alexejewa (83) von der Moskauer Helsinki-Gruppe, sprach von einem Skandal.

Demonstrationen am 31. des Monats gehören seit längerem zum Ritual der Anti-Putin-Bewegung - ebenso wie die anschließende Verhaftungswelle. Die Opposition erinnert an diesem Tag an das in Paragraf 31 der Verfassung verbriefte Recht auf Versammlungsfreiheit. Am Samstag fanden erstmals in insgesamt 70 russischen Städten Kundgebungen statt. Neben dem Demonstrationsrecht bekundeten die Teilnehmer diesmal auch ihren Unmut über die neue Haftstrafe für Michail Chodorkowski.