39.980 der entdeckten Konten wurden allerdings bereits während des Zweiten Weltkriegs oder später geschlossen, meist von den Banken oder von Konto-Bevollmächtigten. Vielfach existieren

dazu keine Unterlagen mehr. Eine genaue Schätzung der Summe der entdeckten Vermögen gab das Komitee nicht. Dies könne erst geschehen, wenn sich die Anspruchsberechtigten bei den Banken gemeldet

hätten, hieß es.

Den bekannten Buchwert aller offenen oder geschlossenen Konten gibt er mit 75 Millionen Franken (47,0 Mill. Euro/646 Mill. S) an, den heutigen Wert der Guthaben von Nazi-Opfern mit 271 bis 411

Millionen Franken (170 Mill. Euro/2,34 Mrd. S bis 257 Mill. Euro/3,54 Mrd. S)

Bei Konten ohne Wertangabe geht das Komitee von einem durchschnittlichen Kontostand von 3.013 Franken (1.887 Euro/25.966 S) aus.

Die Revisoren des Komitees entdeckten auch 417 Konten von Verfolgten, die von den Banken während des Zweiten Weltkriegs auf Anweisung der Nationalsozialisten aufgelöst worden waren. Die Banken

händigten das Geld damals den deutschen Behörden aus. Ferner fand das Volcker-Komitee bei den Schweizer Banken 1.600 Konten, die möglicherweise deutschen Nationalsozialisten oder Nazi-

Kollaborateuren gehörten. Die tatsächliche Herkunft dieser Gelder müsse aber die Schweizer Bergier-Kommission für die Untersuchung der Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg klären, sagte ein

Vertreter der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg).

Diese möglichen Nazi-Konten seien durch einen Vergleich mit Namenslisten von NS-Verbrechern ermittelt worden. "Vielleicht findet sich darunter kein einziger Nazi und es sind nur Allerweltsnamen wie

Hans Meier, die zufällig übereinstimmen", sagte er. Sollte es sich in einigen Fällen jedoch wirklich um Vermögen von Nazi-Verbrechern handeln, müsse die Regierung in Bern darüber entscheiden, was mit

dem Geld geschehen solle.

Laut Volcker-Bericht gibt es entgegen früheren Behauptungen einiger jüdischer Organisationen keine Anhaltspunkte für eine systematische Zerstörung von Kontounterlagen der Opfer des

Nationalsozialismus durch die Schweizer Banken. "Es gibt jedoch bestätigte Anzeichen für fragwürdige und unlautere Vorgehensweise einzelner Banken bei der Behandlung der Konten von Opfern, unter

anderem die Vorenthaltung kontorelevanter Informationen gegenüber Holocaust-Opfern." Der Bericht nannte einige Fälle, in denen Holocaust-Überlebende oder ihre Erben von Bankangestellten bewusst

hingehalten worden waren. Dabei habe bei den Banken, die Geld an die Nazis überwiesen hätten, zum Teil auch die Angst vor Enthüllungen und Rechtsstreitigkeiten eine Rolle gespielt.

Abschließend sprach sich das Volcker-Komitee dafür aus, die anspruchsberechtigten Holocaust-Opfer und ihre Erben aus der Vergleichssumme von 1,25 Milliarden US-Dollar (1,248 Mrd. Euro/17,2

Mrd. S) zu entschädigen, auf die sich die Großbanken UBS und Credit Suisse im August vergangenen Jahres in New York geeinigt hatten. Auf den ersten beiden Listen der Banken von 1997 waren insgesamt 5

570 ausländische Konten mit rund 67 Millionen Franken (42,0 Mill. Euro/577 Mill. S) verzeichnet, deren Besitzer sich seit Kriegsende nicht mehr gemeldet hatten.

Die Bankiervereinigung zeigte sich am Montag erleichtert darüber, dass mit der Veröffentlichung des Berichts nun eine abschließende Beurteilung des Verhaltens der Banken in der Zeit des Zweiten

Weltkriegs vorliegt. "Die SBVg ist überzeugt, dass dieses Kapitel in der Geschichte des Finanzplatzes Schweiz nun geschlossen werden kann", erklärte die Vereinigung in Zürich.