Peking. (leg/apa) Im Wirtschaftswunderland China gärt es: In der mehrheitlich muslimischen und großteils von Turkvölkern bewohnten Unruheprovinz Xinjiang im Nordwesten des Landes hat es wieder Tote und Verletzte gegeben. Nach Angaben von Exil-Uiguren - die Uiguren bilden in der 19-Millionen-Provinz die größte Gruppe unter den Turkvölkern - sind dabei mindestens 20 Menschen getötet worden. Die Behörden sprachen zunächst nur von vier Toten, die bei einem "Terroranschlag" auf eine Polizeistation in Hotan ums Leben gekommen seien. Die Angreifer hätten mehrere Geiseln genommen und das Gebäude in Brand gesetzt.

Der in Deutschland ansässige Welt-Uiguren-Kongress stellte den Überfall am Dienstag nicht in Abrede, sprach aber von einem "Ausbruch des Zorns". Dem Angriff auf die Polizeistation sei ein Protestversuch vorausgegangen. Rund hundert Uiguren hätten demnach gegen Landenteignungen und das Verschwinden von Angehörigen demonstrieren wollen. Die Polizei sei auch mit scharfer Munition gegen die Menge vorgegangen. Daraufhin erst hätten die Uiguren die Polizeistation angegriffen und versucht, Polizisten als Geiseln zu nehmen, um ihre Angehörige freizupressen. 14 Menschen seien dabei totgeprügelt und sechs weitere erschossen worden.

Spannungen zwischen Uiguren und zugewanderten Han-Chinesen hatten Xinjiang vor zwei Jahren erschüttert. Innerhalb weniger Tage wurden fast 200 Menschen getötet, die meisten von ihnen Han-Chinesen. Die Regierung machte "Separatisten" für die Gewalt verantwortlich, nach uigurischer Darstellung ging die Polizei gewaltsam gegen friedliche Demonstranten vor.