Guatemala-Stadt.

Das Indio-Massaker wirkt bis heute nach. - © REUTERS
Das Indio-Massaker wirkt bis heute nach. - © REUTERS
(rs) Das Ereignis selbst liegt bereits lange zurück. 1982, als der Bürgerkrieg bereits 22 Jahre alt war, aber noch 14 weitere Jahre dauern sollte, stürmte eine Spezialeinheit der guatemaltekischen Armee das Dorf Las Dos Erres im Norden des Landes. Das Elite-Kommando mit dem Namen "Kabiles" sollte dabei nach Kämpfern der linksgerichteten Guerilla und nach von diesen erbeuteten Armeewaffen suchen. Der Einsatz endete aber mit einem blutigen Massaker. Mit Ausnahme von sieben Kindern wurden alle 208 Einwohner des Indio-Dorfes von den Soldaten getötet.

Mehr als 600 Massenmorde wie diesen dürfte es in den 36 Jahren des Bürgerkriegs gegeben haben. Und dennoch dürfte das Massaker von Las Dos Erres in die Geschichte Guatemalas eingehen. Denn am Dienstagabend wurden in einem als historisch gefeierten Prozess erstmals Soldaten für ihre damaligen Verbrechen belangt.

Der frühere Leutnant Carlos Antonio Carías und drei seiner Untergebenen wurden zu jeweils 6060 Jahren Gefängnis verurteilt. Für jeden der 201 Getöteten wurde eine 30-jährige Haftstrafe verhängt, für Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurden weitere 30 Jahre zum Strafmaß addiert. Die tatsächliche Haftzeit ist in Guatemala jedoch gesetzlich auf 50 Jahre begrenzt.

Das Gericht zeigte sich besonders erschüttert von der Brutalität der Soldaten, die "eine perverse Tat" begangen hätten. Die allermeisten Opfer wurden nämlich nicht erschossen, sondern erwürgt oder mit einem großen Hammer erschlagen. Viele der Frauen und Mädchen waren zuvor auch vergewaltigt worden. Anschließend hatten die Täter alle Leichen in den Dorfbrunnen geworfen.

Neben den vier Verurteilten befinden sich drei weitere Soldaten wegen des Massakers in Untersuchungshaft. Den Befehl für den Einsatz soll der frühere Militärmachthaber Efraín Ríos Montt gegeben haben. Gegen ihn wird in Spanien und Guatemala wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ermittelt.

Gerichtlich aufgearbeitet konnte das Massaker nicht zuletzt mit Hilfe von Forensikern werden, die sich darauf spezialisiert haben, von den Streitkräften begangene Gewalttaten zu untersuchen. Den Gerichtsmediziner dürfte auch in Zukunft die Arbeit nicht ausgehen. In dem 36 Jahre dauernden Konflikt kamen 240.000 Menschen ums Leben oder verschwanden spurlos.