Vor allem US-Soziologen weisen darauf hin, dass sich Jugendliche, die ohne Vater aufwachsen, überproportional oft Banden anschließen. Dort würden sie Vaterfiguren in Form von älteren Bandenchefs vorfinden, denen sie nacheifern könnten.

Im Fall der Proteste in Spanien oder in Griechenland sieht Soziologe Teune ein völlig anderes Szenario als in Großbritannien. Dort handle es sich um gut gebildete junge Menschen mit großen Erwartungen - die sich unter den derzeitigen Bedingungen nicht erfüllen. Die Demonstranten in Südeuropa hätten die Voraussetzungen, sich politisch zu artikulieren - ganz im Gegensatz zu England, wo die Jugendlichen nur noch auf Gewalt zurückgreifen konnten.

Die Gefahr, dass die Krawalle von der Insel auf Deutschland übergreifen, sieht Teune übrigens nicht. Das schon allein deshalb, weil es in Deutschland im Hinblick auf Migranten nicht das große Versprechen des "Dazugehörens" gebe. Ausländer würden sich von vornherein als ausgegrenzt erleben, das Enttäuschungserlebnis falle deshalb weg. Außerdem gebe es in Deutschland die Gettos außerhalb der Städte nicht. "Der Grad an Verzweiflung ist hier nicht so hoch", ist der Soziologe optimistisch.

Unterdessen wird in Großbritannien Kritik an den exemplarisch harten Strafen laut, die über jugendliche Randalierer und auch über Personen, die über Facebook zur Gewalt aufgerufen haben, verhängt werden. Erfahrene Juristen rechnen bereits mit Schwierigkeiten, einem "Rattenschwanz von Berufungen". Der Strafverteidiger Paul Mendelle sieht die Gefahr, dass Urteile im Schnellverfahren gefällt und bestehende Justizregeln über Bord geworfen würden. NGOs weisen darauf hin, dass harte Strafen für Jugendliche schon in der Vergangenheit wenig gebracht hätten. Man habe dabei immer übersehen, die Eltern einzubeziehen. "Der Grad an Verzweiflung ist in Deutschland nicht so hoch wie in England."