Jerusalem. Israel hat einen von der Sinai-Halbinsel aus geführten Terrorangriff erwartet - allerdings in anderer Form, als er sicht dann am Donnerstag zugetragen hat. Dies schreibt die Zeitung "Jerusalem Post" am Freitag unter Berufung auf Geheimdienst- und Armeekreise.

Wegen der erwarteten Attacke wären schon vorab Anti-Terroreinheiten an der Grenze zu Ägypten stationiert worden, die dann schnell auf die Angriffe auf israelische Fahrzeuge reagieren konnten. Ein Mitglied eines Aufklärungsbataillons ist dabei getötet worden, ein Polizist wurde bei der Verfolgung der Attentäter erschossen. Auch sechs Zivilisten starben. Ohne die Verstärkung an der Grenze wäre die Opferzahl erheblich höher gelegen, so ein Armeeoffizier.

Allerdings wäre der Inlandsgeheimdienst Shin Bet davon ausgegangen, dass das Ziel der Angreifer die Entführung eines israelischen Soldaten oder Zivilisten sein würde und dass die Terroristen zu diesem Zweck nicht tagsüber, sondern nachts über die Grenze kommen würden. Die Einschätzung hängt damit zusammen, dass Shin Bet die palästinensische Splittergruppe PRC (Popular Restistance Committees, Volkswiderstandskomitee) für den Anschlag verantwortlich macht.

Auch Ägypter getötet

Der Militärchef der PRC, Imad Hamed, soll laut israelischen Angaben durch die Flugzeugangriffe, die Israels Luftwaffe als Vergeltung auf den Gazastreifen flog, ums Leben gekommen sein, ebenso wie zwei seiner Gefolgsleute. Hamed soll schon für die Entführung des israelischen Soldaten Gilad Shalit im Jahr 2006 verantwortlich gewesen sein, der immer noch verschwunden ist.

Die PRC soll zu einem großen Teil aus ehemaligen Fatah-Sicherheitsleuten bestehen, die nicht auf bewaffnete Operationen gegen Israel verzichten wollten. Sie agiert im Gazastreifen, operiert aber unabhängig von der Hamas, die dort regiert. Die Hamas leugnete ebenso wie die PRC, für die Anschläge verantwortlich zu sein. Dennoch drohte Brigadegeneral Joaw Mordetchai, es stünden "alle Optionen" für Operationen gegen den Gazastreifen offen - auch eine Bodenoffensive. Bei der Serie von Luftschlägen gegen den Gazastreifen wurde nach Angaben von Ärzten außerdem ein 13-Jähriger getötet und 17 weitere Personen verletzt.

Aber auch Ägypter wurden getötet, wobei es über die Umstände Unklarheiten gab. Nach Darstellung der ägyptischen Armee wurden drei Soldaten, darunter ein Offizier, getötet, als sie in die Schusslinie eines israelischen Hubschraubers auf Terroristenjagd gerieten. Israelische Quellen sprachen zudem von einem Selbstmordattentäter der PRC, der sich nahe ägyptischen Soldaten an der Grenze am Freitag in die Luft sprengte. Es soll Verletzte gegeben haben. Das ägyptische TV berichtete von einem weiteren Schusswechsel an der Grenze, bei dem ein ägyptischer Polizist getötet wurde.

Aus dem Gazastreifen flogen als Reaktion auf die Angriffe am Freitag mehrere Raketen auf israelisches Territorium. In der Stadt Ashdod verletzte ein Geschoss zwei Personen, eine davon schwer. Die PRC bekannte sich zu der Tat und sah sie als Antwort auf den Tod ihrer Führer.

In jedem Fall bringen die Anschläge eine Atempause in der israelischen Innenpolitik: Diesen Samstag wird das erste Mal seit fünf Wochen keine Demonstration gegen die hohen Lebenshaltungskosten stattfinden. Die Proteste, deren Fokus auf Jerusalem liegen sollte, wurden abgesagt.