Santiago. Es ist die bisher größte Bewährungsprobe für Chiles konservativen Präsidenten Sebastian Pinera, der seit 17 Monaten im Amt ist: Mit einem Generalstreik setzen Gewerkschaften und linksgerichtete Parteien das Staatsoberhaupt seit Mittwoch unter Druck. Sie fordern unter anderem eine Pensionsreform und dass mehr Geld in das Gesundheits- und Bildungswesen fließt.

Doch der Streik wird von Gewaltausbrüchen überschattet: In der Hauptstadt Santiago lieferten sich Demonstranten und Polizei Straßenschlachten. Die Demonstranten setzten Barrikaden in Brand und bewarfen Polizisten mit Steinen, die Sicherheitskräfte setzten Wasserwerfer und Tränengas ein. Die bisherige Bilanz: 36 Personen wurden verletzt, darunter 19 Polizisten, zudem gab es 348 Verhaftungen.

Die Regierung bezeichnete den Streik als gescheitert, weil der öffentliche Personenverkehr im Land kaum zum Erliegen kam.

Der Streik soll auch die Forderungen der Studenten und Schüler unterstützen. Diese protestieren bereits seit Monaten und fordern eine grundlegende Reform des Bildungswesens, dem der Staat kaum Geld zuschießt. Viele Universitäten sind in privater Hand, aber auch an staatlichen Hochschulen sind jährliche Studiengebühren von mehreren tausend Euro die Regel. Für sehr viele Chilenen ist damit ein Studium unerschwinglich. Einige Schüler sind sogar in den Hungerstreik getreten, um für eine leistbare Ausbildung zu protestieren.

Pinera heizte vergangene Woche mit einem Kommentar die Stimmung zusätzlich an: "Nichts im Leben ist umsonst, jemand muss immer bezahlen", beschied der Präsident.