Tokio.

Yoshihiko Noda wurde am Dienstag zum neuen Premierminister Japans gewählt. - © APAweb/EPA
Yoshihiko Noda wurde am Dienstag zum neuen Premierminister Japans gewählt. - © APAweb/EPA
(leg/apa) Der bisherige Finanzminister Yoshihiko Noda ist zum neuen Regierungschef Japans gewählt worden. Das Parlament in Tokio stimmte am Dienstag mit großer Mehrheit für den 54-Jährigen als Ministerpräsident. Noda gilt als nüchterner Haushaltssanierer, er strebt eine umfassende Steuerreform an. Der bisherige Amtsinhaber Naoto Kan hatte nach heftiger Kritik an seinem Umgang mit der Tsunami-Katastrophe und dem Atomunfall von Fukushima am Freitag seinen Rücktritt erklärt.

Klug soll er sein, einer, der denken kann. Allerdings auch glatt und wenig charismatisch, ein "Mann ohne Eigenschaften", der mit jedem in Japans Politik gut kann - Yoshihiko Noda, bis dato Finanzminister des Landes. Am Montag setzte sich der 54-Jährige in einer Stichwahl um das Amt des Vorsitzenden der regierenden Demokratischen Partei (DPJ) gegen Handelsminister Banri Kaieda durch und wird damit Nachfolger des zurückgetretenen Premiers Naoto Kan. Der war wegen seines Krisenmanagements im Zuge des Erdbebens und der Atomkatastrophe im März in die Kritik geraten. Noda wird am ehesten zugetraut, das schuldengeplagte Japan, dessen Exportwirtschaft zugleich unter dem starken Yen leidet, wieder auf Kurs zu bringen. Am Dienstag soll er im Parlament offiziell in das Amt gewählt werden.

Noda ist damit innerhalb der vergangenen fünf Jahre der bereits sechste Regierungschef Japans. Ob mit ihm nun eine Periode der personellen Kontinuität im Land der aufgehenden Sonne, das seit Kriegsende 1945 bereits 31 Premierminister verbraucht hat, Einzug halten wird, darf getrost bezweifelt werden. Experten befürchten, dass sich auch Noda nicht länger als ein Jahr halten wird - zumal bereits Gerüchte von einer möglichen Auflösung des Parlaments im Umlauf sind. Die oppositionelle Liberaldemokratische Partei (LDP), die von 1955 bis 2009 mit einer zweijährigen Unterbrechung in den Neunziger Jahren die Regierung stellte, wittert jedenfalls Morgenluft. Schließlich ist Noda im Oberhaus, der zweiten Kammer des Parlaments, auf die Unterstützung der konservativen Opposition angewiesen. Auch der Rückhalt in den eigenen Reihen ist fraglich. Angesichts seiner unsicheren Machtbasis machte sich Noda bereits für eine große Koalition stark - doch die oppositionelle LDP wies seine Avancen zurück: Viele Liberaldemokraten rechnen mit einer Rückkehr an die Macht 2012 oder 2013. Gegen den blassen Konsenspolitiker Noda, wird argumentiert, ließe sich ein leichter Wahlsieg erringen.