Johannesburg. Seine Organisation wäre bereit, für Jacob Zuma zu töten, verkündete der Chef der Jugendliga des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC), Julius Malema, vor gut drei Jahren. Am Dienstag verbrannten Malema-Anhänger in Johannesburg T-Shits mit dem Porträt von Südafrikas Präsidenten Zuma. Malema, der einstige Scharfmacher Zumas, ist mittlerweile zum großen Rivalen des ANC-Vorsitzenden geworden. Denn die Regierungspartei hat ein Disziplinarverfahren gegen Malema eingeleitet, das am Dienstag begann und das mit dessen Parteiausschluss enden könnte.

Tausende Anhänger des populären Jungpolitikers haben deshalb vor der Parteizentrale des ANC für heftige Ausschreitungen gesorgt. Sie warfen Steine auf Journalisten und versuchten, Polizeibarrikaden zu durchbrechen. Die Sicherheitskräfte setzten Wasserwerfer und Tränengas ein. Malema hatte zwar am Montag seine Gefolgsleute dazu aufgerufen, Ruhe zu bewahren. Doch in Südafrika machen Gerüchte die Runde, dass die Proteste orchestriert waren und Malema seine Muskeln zeigen wollte.

Umstrittener Politiker

Der aus armen Verhältnissen stammende 30-Jährige ist einer der umstrittensten Politiker Südafrikas. Die Bergbauindustrie, einen der größten Devisenbringer des Landes, will er verstaatlichen und schreckt damit laut Kritikern Investoren ab. "Tötet die Buren", singt Malema regelmäßig vor seinen Fans. Weiße Landbesitzer bezeichnet er als "Kriminelle" und fordert deren komplette Enteignung - ein Szenario, das an Simbabwe erinnert.

Malema inszeniert sich bei seinen Brandreden geschickt als Held der Armen. Doch lenkt der Populist deren Unzufriedenheit in gefährliche Bahnen und gefährdet den oft ohnehin fragilen Zusammenhalt des Landes, warnen Kommentatoren.

Der Kämpfer der Unterprivilegierten lebt offenbar selbst auf großem Fuß. Bei seinen Partys fließt der Champagner, unter seiner Villa soll er sich einen Bunker bauen lassen. Dabei bezieht Malema nach eigenen Angaben nicht mehr als ein einfaches ANC-Gehalt.

Die Zeitung "City Press" berichtete von dubiosen Konten im Umfeld Malemas, auf die Schmiergeld für öffentliche Aufträge geflossen sein soll. Für Malemas Jugendliga sind die Beschuldigungen eine "Verschwörung weißer Kapitalisten".

Doch weder seine Hetzreden noch die Korruptionsvorwürfe brachten Malema das ANC-Disziplinarverfahren ein. Sondern, dass er die Regierung Botswanas als "Marionetten westlicher Imperialisten" bezeichnete und offen einen Regierungswechsel in dem Nachbarland forderte.

Viele Beobachter vermuten daher, dass es sich bei dem Verfahren mehr um einen innerparteilichen Machtkampf handelt, als dass man tatsächlich über den Jungpolitiker empört wäre. Denn in der Vergangenheit hat Malemas Popularität dem ANC oft genützt. Doch mittlerweile könnte der machthungrige ANC-Spross der Führungsriege rund um Zuma zu gefährlich geworden sein.