Kabul.

Viel Wiederaufbau ist in Afghanistan noch notwendig - doch beträchtliche Summen versickern. - © EPA
Viel Wiederaufbau ist in Afghanistan noch notwendig - doch beträchtliche Summen versickern. - © EPA
300 Millionen Dollar hat das Kraftwerk gekostet, das die USA in Kabul errichten ließen. Doch der afghanischen Regierung fehlen die Mittel, um das Kraftwerk weiter zu betreiben. Im Irak wurden 40 Millionen Dollar für ein Gefängnis ausgegeben, das die Einheimischen gar nicht gebrauchen können.

Das sind nur zwei Beispiele, wie US-Beamte Geld verschwenden. Laut eines Berichts einer Expertenkommission, der am Mittwoch dem Kongress vorgelegt wurde, haben die USA im Irak und in Afghanistan 30 Milliarden US-Dollar an Militärausgaben in den Sand gesetzt. Mindestens. Denn die Summe könnte auch bei insgesamt 60 Milliarden Dollar liegen. Die Kommission, die aus ehemaligen Regierungsbeamten und Abgeordneten besteht, wirft dem Pentagon vor, zu viele Vertragspartner zu haben, Aufträge ohne Ausschreibung zu vergeben und unnötige Projekte zu finanzieren.

Diese Vorwürfe wurden bereits vor der Präsentation des Berichtes bekannt, und das Pentagon hat sich zur Wehr gesetzt. Man sei sich der Mängel bewusst, habe aber in den vergangenen Jahren versucht, "entsprechende Fehler zu korrigieren", sagte Sprecher David Lapan. An der Praxis, Aufträge ohne Ausschreibung zu vergeben, will sein Ministerium aber festhalten. Langwierige Bewerbungsverfahren würden den Soldaten nicht dienen. Es gehe oft darum, Leben zu retten. Daher stehe Schnelligkeit im Vordergrund.

Die von den USA angeführten internationalen Truppen sind in Afghanistan mit ständigen Angriffen der radikalislamischen Taliban konfrontiert. Der Bericht deckt der Nachrichtenagentur AP zufolge nun auf, dass auch US-Gelder bei den Aufständischen landen. Dies geschieht durch Schutzgelder, die Aufständische afghanischen Subunternehmern abpressen.

Ein weiteres Problem ist auch die Korruption, durch die viel Geld versickert. Diese reicht in Afghanistan bis in die höchsten Ränge.

Die ausufernde Korruption ist auch einer der Hauptgründe, warum sich der Westen zusehends von Afghanistans Präsidenten Hamid Karzai abwendet. Dass man sich eine Zukunft ohne Karzai wünscht, geht nun aus einem peinlichen Ausrutscher hervor, der dem britischen Entwicklungshilfeminister Andrew Mitchell unterlief. Beim Verlassen einer Sitzung des Sicherheitskabinetts zeigte er versehentlich vertrauliche Unterlagen so offen her, dass die Dokumente für die umstehenden Journalisten gut sichtbar wurden. Der Sender Sky News berichtete, dass in den Papieren der Rücktritt Karzais im Jahr 2014 empfohlen wird.