Dubai. (leg/apa) Eugen A. versteht die Welt nicht mehr - und auch sonst nicht viel: "Ich stehe wortlos im Verhandlungssaal. Dass es um mich geht, weiß ich nur, weil mein Name aufgerufen wird." Dem 50-jährigen Mediziner aus Oberösterreich droht in Dubai die Todesstrafe: Er soll gemeinsam mit einem indischen Kollegen im Februar 2009 einen querschnittsgelähmten Patienten durch Unterlassung von Hilfeleistung und eine hohe Dosis Morphium getötet haben. Als Motiv wird dem Arzt vorgeworfen, er hätte das Bett, das der Kranke belegte, freibekommen wollen. Die Anklage lautet auf Mord. Heute, Mittwoch, wird der Prozess, der wegen des Fastenmonats Ramadan auf September verschoben wurde, fortgesetzt.

Die erste Vernehmung im August hatte nur rund zehn Minuten gedauert und bei Beobachtern für Kopfschütteln gesorgt. Nicht nur, dass dem Angeklagten das Geschehen in seinem Prozess nicht übersetzt wird, Eugen A. wurde vor Beginn des Verfahrens auch die Möglichkeit, sich schriftlich zu erklären, verweigert - "sehr irritierend" findet das Heinz Patzelt, Generalsekretär von Amnesty International Österreich. Der Jurist betont: "Es handelt sich hier um keinen Mord. Wenn das schon vor Gericht kommt, dann allenfalls wegen fahrlässiger Tötung." Der Angeklagte hat sich für den Prozess nun selbst einen Dolmetscher organisiert, der auch Fachausdrücke übersetzt.

Die Rekonstruktion der Geschehnisse im Februar 2009 stützt sich vor allem auf die Aussagen der Beteiligten. Der Oberösterreicher, der sich zum Todeszeitpunkt gar nicht in der Klinik befand, soll eine Order ausgegeben haben, dass der Patient im Falle eines Herzstillstands nicht wiederzubeleben sei. A., der drei Jahre als Leiter der Intensivstation im Rashid Hospital in Dubai tätig war, bestreitet das. Allerdings habe es in dem Spital eine solche Weisung gegeben. "Diese Order vom November 2006 wurde vom Spital nach dem Vorfall für ungültig erklärt." Nach dem Tod des Patienten gab es keine Obduktion. Nach Ansicht von A. geht es um eine Intrige zweier Kollegen, die "bei der von mir verfassten Jahresbewertung schlecht weggekommen sind". Ein Gutachten der österreichischen Ärztekammer betont die Unschuld des Mediziners. Dass die von ihm verschriebenen Opiate zum Tod geführt haben sollen, hält sie für "absurd".