Kabul/Islamabad. Lange hat es nicht gedauert, da bestätigte ein Nato-Sprecher einen Bericht der britischen BBC: Die Nato hat die Überstellung von Gefangenen an afghanische Haftanstalten vorerst eingestellt. Grund dafür sind Foltervorwürfe, die gegen afghanische Sicherheitsbehörden erhoben werden. Diese werden jetzt geprüft.

Die Vorwürfe waren erstmals in einem bisher unveröffentlichten Bericht der UN-Mission in Afghanistan (Unama) erhoben worden, aus dem der BBC-Bericht zitiert hatte. Demnach sollen Häftlinge in Gefängnissen der afghanischen Polizei und des Geheimdienstes mit Gummischläuchen geschlagen und in einigen Fällen auch mit Elektroschocks gefoltert worden sein. Die Folter, so die BBC, werde in dem Bericht als "alltäglich und systematisch" beschrieben.

Die Ergebnisse der UN-Untersuchung, die derzeit fertiggestellt wird, wurden nach Angaben von UNO-Sprecherin Nilab Mobaraz bereits an die afghanische Regierung übermittelt. "Wir haben den Eindruck, dass die Vorwürfe dort sehr ernst genommen werden", sagte Mobaraz. Die Regierung plane Sofortmaßnahmen gegen die Missstände.

Die Taliban nehmen unterdessen im benachbarten Pakistan weiterhin Sicherheitskräfte ins Visier: Bei einem Doppelanschlag sind im Südwesten des Landes mindestens 24 Menschen getötet worden. Die Tat in der Provinz Belutschistan, die als Rückzugsgebiet der Taliban gilt, richtete sich gegen die Grenztruppen in Quetta, die vor zwei Tagen die Festnahme des ranghohen Al-Kaida-Mitglieds Younes al-Mauretani bekanntgegeben hatten. Die Taliban bekannten sich zu den Anschlägen und bezeichneten sie als "Rache" für die Verhaftung Mauretanis.

"Nicht erklärter Krieg"

Trotz des hohen Blutzolls der pakistanischen Sicherheitskräfte im Kampf gegen die Taliban ist das Verhältnis Pakistan-USA am Tiefpunkt: Während der republikanische US-Senator Mark Kirk die US-Hilfen für Pakistan als "bestenfalls naiv und kontraproduktiv" bezeichnete und den pakistanischen Geheimdienst ISI für eine "enorme Bedrohung" für die US-Truppen in Afghanistan hält, sagte der frühere ISI-Chef Asad Durrani, Pakistan und die USA befänden sich bereits "im Zustand eines nicht erklärten Krieges".