Wien. (gf) Bei allen Unterschieden und Abstufungen ergeben sich doch Gemeinsamkeiten zwischen denen, die sich selbst Islamkritiker nennen, aber oft als Islamfeinde zu bezeichnen wären. Die wohl wichtigste Grundkomponente ist die Betrachtung des Islam. Dieser wird nicht als Religion wie Christentum oder Judentum angesehen, sondern als eine totalitäre Ideologie wie Nationalsozialismus und Kommunismus, die die freie westliche Welt bedroht. Begründet wird dies mit dem allumfassenden Anspruch des Islam, wonach sich Politik und Gesellschaft dem Wort Allahs unterzuordnen hätten. Außer Acht gelassen wird freilich, dass der Islam trotz seines ganzheitlichen Anspruches alles andere als ein Ganzes darstellt - es gibt nicht nur die verschiedensten Strömungen, von denen der Sunnismus und die Schia die größten sind, sondern auch viele differierende Interpretationen, Ansichten von Gelehrten und Lebensweisen. Einen obersten Richter in Glaubens- und Moralfragen, wie dies für Katholiken der Papst ist, kennt der Islam nicht.

Allenfalls könnte eine solche Instanz der Koran sein - und als solche wird er auch von den Islamkritikern angesehen. Was für die Muslime das "Heilige Buch" ist, in dem Gottes Wort unverfälscht wiedergegeben wird, wird für ihre Gegner zur Quelle des Bösen. Häufig wird der Koran ausgiebig studiert und es wird auf Suren aufmerksam gemacht, mit denen man glaubt, den Koran als Aufruf zum Hass und zum Glaubenskrieg lesen zu können. Allerdings gibt es schon bei den Übersetzungen des Koran aus dem Arabischen viel Interpretationsspielraum, zudem sind seit Jahrhunderten Dutzende Bände von Kommentaren zu unterschiedlicher Koran-Auslegung entstanden.

Ähnliches gilt für die Scharia, die islamische Gesetzgebung. Sie beruht im Wesentlichen auf dem Koran, aber auch auf der Sunna, die die örtlichen Traditionen einbezieht. Dementsprechend kontrovers sind auch die Rechtsauffassungen, die die verschiedenen Rechtsschulen von der Scharia geben. Für die Islamgegner ist die Scharia allerdings ein einheitliches Feindbild. Der Kampfruf "No Scharia here" nährt sich von Gerichtsurteilen etwa in Großbritannien oder Deutschland, die vor allem bei Familienrechtsangelegenheiten Rücksicht auf die Rechtsprechung des Heimatlandes nehmen. Dies beruht auf dem Internationalen Privatrecht.