Niamey. (klh/apa) Immer mehr enge Familienmitglieder des gestürzten libyschen Diktators Muammar Gaddafi setzen sich ins Ausland ab. Gaddafis Sohn Al-Saadi wurde nun im Nachbarland Niger aufgegriffen. Der 38-Jährige sollte in die Hauptstadt Niamey gebracht werden. Die Regierung gab humanitäre Gründe für die Aufnahme an.

Al-Saadi ist bereits das vierte von acht Kindern Gaddafis, das im Ausland Zuflucht gefunden hat. Auch Gaddafis Tochter Aisha und die Söhne Hannibal und Mohammed haben sich bereits abgesetzt - allerdings nach Algerien. Wo sich der Ex-Diktator aufhält, ist weiterhin unklar.

Der in den Niger geflüchtete Al-Saadi war Fußballprofi, Filmschauspieler und gefürchteter militärischer Kommandeur, der eine Eliteeinheit befehligte. Er wird aber - im Gegensatz zu seinem Vater - nicht vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gesucht.

Auch einige Generäle und ranghohe Angehörige des Gaddafi-Regimes halten sich in dem südlichen Nachbarland auf. Sie befinden sich laut Angaben aus dem Niger unter Militäraufsicht oder unter Hausarrest.

Das Gaddafi-Regime hatte enge Verbindungen zum Niger gepflegt. Das bitterarme 14-Millionen-Einwohner-Land soll aus Libyen sowohl militärische als auch finanzielle Hilfe erhalten haben. Gleichzeitig unterstützte Gaddafi aber die Tuareg im Niger. Das Nomadenvolk lehnte sich immer wieder gegen die Regierung auf und kämpfte für mehr Autonomie. Vor zwei Jahren kam es dann zu einem brüchigen Frieden zwischen Tuareg und Regierung.

Die Flüchtlinge aus dem Nachbarland bringen den Niger, der seine Wüstengrenze zu Libyen nicht sichern kann, in eine unangenehme Lage. Einerseits ließ die Regierung schon durchklingen, dass sie internationalen Verpflichtungen nachzukommen gedenkt und zu Auslieferungen von Gaddafi-Getreuen bereit ist, wenn diese angefragt werden. Präsident Mahamadou Issoufou gilt auch nicht unbedingt als Freund von Gaddafi. Andererseits könnte eine Auslieferung für Unruhe bei den Tuareg sorgen.

Ein weiteres Problem für den Niger: Nigrische Söldner sollen aufseiten Gaddafis gekämpft haben. Viele von ihnen kehren nun samt ihrer Waffen in den Niger zurück. Das könnte das Land destabilisieren.

Der Nationale Übergangsrat in Libyen will zukünftig seine Bemühungen verstärken, die Gaddafi-Getreuen schon im eigenen Land abzufangen. Doch derzeit ist er mit erbittertem Widerstand konfrontiert. Bei ihrem Sturm auf Bani Walid lieferten sich die Rebellen heftige Straßenkämpfe mit Gaddafi-Getreuen. Der Ex-Diktator hat laut einem syrischen Sender seine Kämpfer erneut aufgefordert, sich nicht zu ergeben. Die Rebellen sollen aber Al-Jazeera zufolge auch untereinander zerstritten sein, welche Einheit die Offensive anführt.

Unterdessen hat nun auch China laut der Nachrichtenagentur Xinhua den Nationalen Übergangsrat offiziell als regierende Autorität und Vertreter des libyschen Volks anerkannt. Peking hatte lang mit diesem Schritt gezögert.