Kairo/Jerusalem. Das Abkommen von Camp David sorgt seit 1979 für den Frieden zwischen Israel und Ägypten. Doch der beginnt zu bröckeln, seit Israel und die USA versuchen, den palästinensischen Antrag auf UNO-Vollmitgliedschaft durch massive Druckausübung zu verhindern.

"Das Camp-David-Abkommen ist nicht sakrosankt", sagte der Premierminister der ägyptischen Übergangsregierung, Essam Sharaf am Donnerstagabend. Und auch im zweiten der beiden einzigen arabischen Länder, die diplomatische Beziehungen zu Israel unterhalten, wird der Unmut stärker. In der jordanischen Hauptstadt Amman verlangten hunderte Demonstranten in Sprechchören den Abbruch der Beziehungen sowie die Aufkündigung des jordanisch-israelischen Friedensvertrages von 1994. Die israelische Regierung hat ihren Botschafter in Erwartung von Ausschreitungen vorübergehend abgezogen.

Seit den jüngsten Revolutionen ist den Herrschern in den arabischen Ländern mehr denn je bewusst, wie gefährlich es sein kann, am Willen der Mehrheit vorbeizuregieren. Daher werden sie wohl mehr oder weniger einstimmig zustimmen, wenn Palästinenser-Präsident Mahmoud Abbas kommende Woche vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen eine Abstimmung über die Anerkennung eines arabischen Staates Palästina in den Grenzen von 1967 fordert.

Lateinamerika steht ebenfalls fast hinter Palästina. Ein Sprecher der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff teilte in Brasilia mit, dass Rousseff den von sämtlichen lateinamerikanischen Staaten unterstützten palästinensischen Plan gleich zu Beginn der Generaldebatte der UNO-Vollversammlung ansprechen könnte.

China rügt die USA

Doch auch auf unerwartete Unterstützung können die Palästinenser zählen. Nachdem die USA bereits erklärt haben, in letzter Instanz eine UN-Mitgliedschaft Palästinas durch ein Veto im Sicherheitsrat zu Fall bringen zu wollen, wirft ihnen Chinas Führung vor, mit ihrem Veto gegen die Aufnahme zu einer "noch stärkeren Isolierung" Israels beizutragen. "Ein unabhängiger Staat ist das unveräußerliche Recht des palästinensischen Volkes", erklärte das Außenministerium in Peking.

Von den 193 UNO-Staaten wollen etwa 150 das Vorhaben der Palästinenser mittragen, sagte der türkische Präsident Abdullah Gül. Sein Land habe "kein Vertrauen" in die israelische Regierung. Das Gesuch an die UNO, einen Staat Palästina als Vollmitglied aufzunehmen, werde die Türkei in New York unterstützen. Die andere Seite bleibt hart. Israel hat angekündigt, sämtliche Verträge mit den Palästinensern annullieren zu wollen, sollten diese ihren Antrag auf Aufnahme als UN-Mitglied tatsächlich einbringen. Die USA wiederum drohen, ihre jährliche Finanzhilfe von 450 Millionen Dollar zu streichen. US-Regierungssprecher Jay Carney sagte in Washington, eine Anerkennung durch die Vereinten Nationen bringe "die Palästinenser einem eigenen Staat nicht näher". "Wir glauben, dass dies ihrem Ziel sogar zuwiderläuft." Der palästinensische Plan sei "nicht im Interesse des Friedensprozesses in Nahost". Nötig seien "direkte Verhandlungen mit den Israelis", sagte Carney.

Doch davon halten sowohl die Palästinenser als auch die anderen Araber nicht mehr viel. Sie sind davon überzeugt, dass Israel die Verhandlungen in den vergangenen Jahren nur als Hinhaltetaktik und Ablenkungsmanöver geführt habe. Ziel sei es immer gewesen, ungestört Siedlungen in den besetzen Gebieten vergrößern zu können. In den zurückliegenden 15 Jahren ist nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation B’tselem die Zahl der Siedler im Westjordanland (ohne Ostjerusalem) von 140.000 auf 300.000 gestiegen.

Die israelische Zeitung "Haaretz" meldete aus dem Umfeld der Regierung, Israel könnte eine Aufwertung des UN-Status der Palästinenser akzeptieren, wenn ihnen dadurch "keine Staatlichkeit" zuerkannt würde. Die Palästinenser werden diesen Kompromiss wohl nicht akzeptieren.