Lusaka.

(klh/apa/reu) Es war schon im Vorfeld der Wahl befürchtet worden und trat am Dienstag tatsächlich ein: In Sambia haben sich während der Parlaments- und Präsidentenwahlen gewaltsame Zusammenstöße ereignet. Kurz nach Öffnung der Wahllokale kam es in Slums der Hauptstadt Lusaka zu Auseinandersetzungen, weil Anhänger der Opposition behaupteten, sie hätten Beweise für Wahlbetrug.

Augenzeugen berichteten, dass ein Mann bereits ausgefüllte, manipulierte Wahlzettel transportiert habe. Anhänger des Oppositionskandidaten Michael Sata griffen daraufhin den Mann an und rissen Plakate des gegnerischen Kandidaten und amtierenden Präsidenten, Rupiah Banda, von den Wänden. Zudem warfen sie mit Steinen um sich und blockierten Straßen. Wie "Focus Online" berichtete, erklärte Cris Akufuna, Sprecher der Wahlkommission, dass die Berichte über ausgefüllte Wahlzettel nicht bestätigt seien. In einem anderen Viertel wurden, aus Ärger über die verspätete Öffnung der Wahllokale, Autos angezündet.

Die Sicherheitskräfte haben nach eigenen Angaben die Lage mit der Zeit wieder unter Kontrolle gebracht, diese kann aber jederzeit erneut explodieren. Besonders heikel wird die Situation jedenfalls werden, wenn im Laufe der nächsten Tage die Ergebnisse bekanntgegeben werden.

Schon im Vorfeld der Wahl war die Lage äußerst angespannt. Es wurde ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Präsident Banda und seinem Herausforderer Sata erwartet. Die beiden 74-Jährigen haben sich einen erbitterten Wahlkampf geliefert. "Wir haben gesehen, wie hässlich Politik sein kann", kommentierte die sambische Zeitung "The Post" in ihrer Online-Ausgabe. Sata hat schon im Vorfeld des Urnengangs dem seit 2008 regierenden Banda vorgeworfen, die Wahl manipulieren zu wollen.

Der Oppositionspolitiker, wird von seinen Anhängern auch "König Kobra" genannt. Denn Sata ist bekannt für seine scharfzüngigen Kommentare und sein aggressives Auftreten.

Er nahm in den vergangenen Monaten immer wieder die Chinesen ins Visier. Die Volksrepublik ist in dem südostafrikanischen Land, das allein im Jahr 2010 Kupfer im Wert von 5,3 Milliarden Euro exportierte, stark engagiert. Sata forderte gar die Ausweisung von chinesischen Arbeitern, die sich im Land befinden. Er warf Präsident Banda vor, das Land an Peking verkauft zu haben. Kurz vor der Wahl hat Sata aber seine Töne sehr gemäßigt. Er sagte zuletzt, dass er bei einem Wahlsieg gute diplomatische und geschäftliche Beziehungen zu China suchen werde.

Sambia hat zuletzt einen Wirtschaftsaufschwung erlebt, doch noch immer leben weite Teile der Bevölkerung in großer Armut. Genau in den Slums der Städte, in denen der Aufschwung nicht ankam, hat Sata viele Anhänger. Auch im sogenannten Kupfergürtel im Norden des Landes sympathisieren viele Bürger mit Sata. Dort klagt die Bevölkerung immer wieder, dass sie von den ausländischen Investitionen zu wenig abbekommt.

Banda wiederum ist vor allem bei der Landbevölkerung populär. Die Landwirte haben von Subventionen profitiert, die während seiner Amtszeit ausgeschüttet wurden. Zudem verweist das Staatsoberhaupt immer wieder auf den Bau zahlreicher neuer Schulen, Krankenhäuser und Straßen.