Sanaa. Zehntausende Jemeniten breiteten am Mittwoch in Sanaa ihre Gebetsteppiche aus, um der Toten der vergangenen Tage zu gedenken. Während sie trauerten, waren im Hintergrund Explosionen zu hören. Erneut erschütterten heftige Gefechte die Hauptstadt des ärmsten arabischen Staates. Damit war eine zuvor verkündete Waffenruhe schnell wieder hinfällig. Sie hatte nur ein paar Stunden in der Nacht auf Mittwoch gehalten, untertags gingen die Gefechte sofort wieder los.

Dabei haben Regierungstruppen offenbar die Häuser der beiden wichtigsten Rivalen von Präsident Ali Abdullah Saleh mit Granaten beschossen. Die lokale Nachrichtenwebsite "Marib Press" meldete, aus den Trümmern des Hauses von Scheich Hamid al-Ahmar seien am Mittwoch zahlreiche Verletzte und auch mehrere Tote geborgen worden. Ebenfalls unter Beschuss genommen wurde den Angaben zufolge das Haus von General Mohsen al-Ahmar.

Scheich Hamid al-Ahmar von der oppositionellen Islah-Partei ist ein wohlhabender Geschäftsmann. Er wird als möglicher Nachfolger Salehs gehandelt. General Mohsen al-Ahmar hatte sich mit seiner Armee-Einheit nach Beginn des Aufstandes von Saleh losgesagt und erklärt, er werde fortan die Protestbewegung schützen.

Saleh selbst befindet sich derzeit nach einem Granatangriff in Saudi-Arabien, wo er medizinisch behandelt wird. Der seit 1978 regierende Präsident weigerte sich trotz anhaltender Proteste in den vergangenen Monaten beharrlich zurückzutreten. Nun steuert der Jemen zusehends auf einen Bürgerkrieg zu.

Seit Beginn dieser Woche sollen in Sanaa mehr als 60 Menschen ums Leben gekommen sein. Die meisten von ihnen dürften von den Regierungstruppen getötet worden sein.