Kabul. (leg/apa) Der gewaltsame Tod von Ex-Präsident Burhanuddin Rabbani, der im September Opfer eines Selbstmordanschlags wurde, bewegt den afghanischen Staatschef Hamid Karzai zu einem Strategiewechsel: Hatte Karzai lange Zeit zu den Befürwortern einer Verhandlungslösung mit den radikalen Taliban gehört, so sieht der 53-Jährige nun, nach dem Attentat auf Rabbani - dieser war für die Verhandlungen mit den Taliban zuständig - in Gesprächen mit den Aufständischen keinen Sinn mehr: "Ihre Boten kommen und töten. Mit wem also sollen wir Frieden schließen", fragte Karzai. "Ich kann Mullah Mohammad Omar nicht finden", sagte der Präsident über den Anführer der Taliban. "Wo ist er? Ich kann den Talibanrat nicht finden. Wo ist er?"

Der afghanische Präsident beantwortete sich die Frage gleich selbst: In Pakistan, das in diesen Verhandlungen folglich "die andere Seite ist". Schließlich soll der größte Teil der Führungsriege der Taliban in Pakistan leben und ihr Regierungsrat in der südpakistanischen Stadt Quetta tagen. Der Geheimdienst in Kabul geht davon aus, dass der Mord an Rabbani von der Taliban-Führung in Pakistan geplant wurde - und spricht von einer Verbindung zu einem Ort nahe Quetta. Kabul verdächtigt Islamabad, keine Anstrengungen zu unternehmen, den Taliban ihre Rückzugsgebiete abzuschneiden - und indirekt auch, die Radikalislamisten im Kampf gegen die afghanische Regierung zu unterstützen.

Extremist ins Netz gegangen


Davon sind auch die USA überzeugt, die Pakistan vorwerfen, mit dem radikalen Haqqani-Netzwerk unter einer Decke zu stecken, das mit den Taliban und Al-Kaida verbündet ist. Am Samstag haben Nato-Truppen mit Haji Mali Khan einen führenden Kommandanten des Netzwerks gefangengenommen. Es ist nach einem Clanchef benannt, der in den 80er Jahren mit Unterstützung des US-Geheimdienstes CIA in Afghanistan gegen die Sowjets kämpfte.