Kabul.

Die Verbrennungen dieser Afghanin stammen vermutlich von Angehörigen. - © EPA
Die Verbrennungen dieser Afghanin stammen vermutlich von Angehörigen. - © EPA
Es ist ein unscheinbares Haus in einer besseren Gegend von Kabul. Drei Wachen hinter dem eisernen Tor kontrollieren streng, wer ein- und ausgeht. Denn die meisten der Hausbewohner leben hier versteckt. Sie müssten um ihr Leben fürchten, wenn sie entdeckt würden. Es sind Frauen und Mädchen, die vor ihren Ehemännern und Familien geflohen sind und in einem der wenigen Frauenhäuser Afghanistans Zuflucht gefunden haben. Um die 20 von ihnen leben hier: Ihre Schicksale spiegeln die brutale Realität von Millionen Frauen in Afghanistan wider: Zwangsheirat, Gewalt, Kinderehen, Ehrenmord und sanktionierter Mädchenhandel. Auch zehn Jahre nach Beginn des Krieges der Nato am Hindukusch hat sich nur wenig an den harschen Realitäten geändert.

Samira ist erst 16. Das zierliche Mädchen mit schwarzem Kopftuch und abgetragenen roten Blumenkleid hat sich ganz allein aus einem kleinen Dorf an der pakistanischen Grenze bis in das Frauenhaus in Kabul durchgeschlagen. Mit 15 wurde sie von ihren Eltern verheiratet, doch ihr Mann starb und die Schwiegermutter zwang sie, einen anderen ihrer Söhne zu heiraten. Samira floh. Keiner weiß, wo sie ist. Neben Samira sitzt schüchtern Mohsena und hört der Erzählung zu. Auch sie ist das Opfer der weit verbreiteten Tradition des "Baat". Frauen sind demnach eine stumme Ware, die man beliebig handeln kann: Als Mohsenas Mutter starb und ihr Vater neu heiratete, verkaufte die Stiefmutter sie für 20.000 US-Dollar an einen 30 Jahre älteren Mann. Auch sie fand Schutz im Frauenhaus. "Nur mein Onkel weiß, dass ich hier bin", sagt sie leise. Verlassen kann sie ihre neue Unterkunft nicht. Doch sie wird unterrichtet, lernt Lesen und Schreiben, Nähen und andere praktische Dinge.

Afghanistan, wo mehr als 15 Millionen Frauen leben, hat gerade einmal 17 registrierte Frauenhäuser. Und niemand weiß, wie es weitergeht, wenn 2014 der Westen seine Truppen aus Afghanistan abzieht. Die Häuser werden allesamt von ausländischen Hilfswerken unterstützt.

Frauenhäuser fürchten


um ihre Zukunft


"Das Leben für afghanische Frauen wird härter", warnte kürzlich die britische Hilfsorganisation Oxfam. Laut Oxfam haben 87 Prozent aller afghanischer Frauen "körperliche, sexuelle, psychische Gewalt erfahren". Frauen seien besonders von der sich verschlechternden Sicherheitslage betroffen, erklärt die Organisation. Das stellt auch die Zukunft der wenigen Schutzunterkünfte in Frage. "Wenn die Taliban zurückkommen, wird das Haus schließen müssen", sagt Naima Chairandesh, eine Programm-Leiterin für die Organisation "Women for Afghan Women", die das Frauenhaus in Kabul unterhält.