Anti-Banken-Demo in London. Weltweit protestieren Menschen gegen die Macht der Banken. - © MacGregor/reuters
Anti-Banken-Demo in London. Weltweit protestieren Menschen gegen die Macht der Banken. - © MacGregor/reuters

Die weltweiten Proteste gegen das Finanzsystem halten an: In Frankfurt am Main harrten die Demonstranten vor der Europäischen Zentralbank (EZB) aus, in Zürich besetzten sie erneut einen Platz in der Altstadt. Vorbild sind die Proteste in den USA, wo Kritiker seit Wochen auf einem Platz nahe der New Yorker Börse unter dem Motto "Occupy Wall Street" gegen die Macht der Banken demonstrieren.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte am Montag nach Beratungen mit den europäischen Sozialpartnern in Brüssel, er verstehe die Empörung der Demonstranten. "So manches Verhalten im Finanzsektor war total unverantwortlich. Wir sollten sagen: Es war krimineller Art." EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy nannte die Sorgen der jungen Menschen "legitim". "Wir verstehen natürlich, dass die Maßnahmen, die in vielen Ländern ergriffen wurden, nicht populär sind. Aber sie sind unerlässlich um die Zukunft zu sichern." Eine faire Verteilung der Lasten sei von entscheidender Bedeutung. Auch der Finanzsektor müsse dazu beitragen.

Aus Protest gegen die Macht der Banken verbrachten vor der EZB in Frankfurt am Main Demonstranten auch die zweite Nacht in Folge in Zelten. 150 bis 200 Menschen seien noch in dem Protest-Camp vor der EZB, sagte ein Sprecher der Bewegung "Occupy Frankfurt" ("Besetzt Frankfurt") am Montag. Sie wollten auf unbestimmte Zeit dort bleiben. Das Protestcamp war am Samstagnachmittag nach einer Großdemonstration in Frankfurt mit mehr als 5.000 Menschen aufgebaut worden.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte großes Verständnis für die weltweiten Proteste gegen Banken und den Kapitalismus. "Die Kanzlerin kann auch persönlich verstehen, dass die Menschen auf die Straße gehen", sagte Merkels Sprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Die Regierung nehme die Proteste sehr ernst: "Darin drückt sich eine tiefe Sorge aus und auch ein berechtigtes Gerechtigkeitsverlangen der Menschen."

Aktivisten der sogenannten "Empörten"-Bewegung in der Schweiz wollen ihren Protest gegen das Finanzsystem ebenfalls weiter aufrechterhalten. Rund 40 verbliebene Demonstranten zogen Montag früh vom Zürcher Paradeplatz im Finanzviertel auf den Lindenhof in die Altstadt. Der Protest soll die ganze Woche über andauern, wie Laurent Moeri von der Bewegung sagte. Die Besetzung des Paradeplatzes hatte am Samstagvormittag begonnen. Bis zu 1.000 Personen hatten friedlich gegen das Finanzsystem demonstriert. Eine Gruppe harrte auch während der kalten Nächte vor den Sitzen der Großbanken UBS und Credit Suisse aus.

Nach den schweren Ausschreitungen bei den Anti-Banken-Protesten in Rom führte die italienische Polizei am Montag eine Großrazzia in Anarchistenkreisen durch. Sechs Personen wurden in Florenz festgenommen. Sie befanden sich in einem Auto, das aus Rom zurückgekehrt war. Im Fahrzeug befand sich Material, das bei den Ausschreitungen in Rom verwendet wurde, teilte die Polizei mit. Polizisten durchsuchten Wohnungen in mehreren italienischen Regionen, darunter in der Lombardei, im Trentino, in Rom und auf Sizilien, berichteten italienische Medien am Montag. Hunderte Sicherheitskräfte waren in ganz Italien im Einsatz. Italiens Vize-Innenminister Alfredo Mantovano kündigte weitere Aktionen gegen Anarchisten an.

Bei Ausschreitungen am Rande einer Großdemonstration gegen die Macht der Finanz war es am Samstag in Rom zu schweren Ausschreitungen gekommen. 135 Personen wurden laut der definitiven Bilanz verletzt, zwölf Personen wurden festgenommen. Bürgermeister Gianni Alemanno bezifferte die Schäden allein für die öffentliche Hand auf eine Million Euro.

US-Präsident Barack Obama will indes gut ein Jahr vor der US-Präsidentenwahl bei einer dreitägigen Tour durch mehrere Südstaaten von den Protesten gegen die Finanzbranche profitieren. Obama wollte am Montag nach North Carolina und Virginia aufbrechen und dort auch für seinen milliardenschweren Plan zur Schaffung von Arbeitsplätzen werben. Die beiden Staaten sind im kommenden Jahr für seine Wiederwahl wichtig.

In Wien waren Samstagnachmittag laut Polizei rund 1.400 Personen vom Westbahnhof zum Ballhausplatz in der City marschiert. Auch in Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck fanden Demonstrationen und Protestmärsche statt.