Kabul. Kurz vor Beginn der großen Ratsversammlung in Afghanistan wächst in Kabul die Angst vor Terroranschlägen. Die aufständischen Taliban behaupteten am gestrigen Montag, im Besitz des streng geheimen Sicherheitsplanes für den Schutz der wichtigen Loya Jirga zu sein. Afghanische Stellen dementierten dies.

Die traditionelle Stammesversammlung mit mehr als 2000 Delegierten aus allen Regionen des Landes soll ab Mittwoch über eine Strategie für Frieden mit den Taliban und den Verbleib von US-Militärbasen auf afghanischem Boden beraten. Ihre Einberufung hatte der afghanische Präsident Hamid Karzai nach der Ermordung von Ex-Präsident Burhanuddin Rabbani Ende September angekündigt. Die Taliban boykottieren die Jirga und haben Angriffe auf die Versammlung angedroht.

Das Gelände um den Veranstaltungsort im Süden Kabuls ist bereits weiträumig abgesperrt. In der Nähe des Tagungszeltes erschossen Sicherheitskräfte am Montag einen Selbstmordattentäter. Die Taliban hatten bereits im vergangenen Jahr die Loya Jirga mit Raketen und Selbstmordkommandos angegriffen. Daher gilt für die viertägige Versammlung nun die höchste Sicherheitsstufe.

Die Taliban schickten den Sicherheitsplan an Journalisten und veröffentlichten ihn später auch auf ihrer Internet-Seite. Es sei ihnen mit Hilfe von Informanten gelungen, den detaillierten Sicherheitsplan, Ortskarten und andere wichtige Informationen über die Jirga zu erlangen, erklärten sie.

Das 22 Seiten lange Dokument enthält unter anderem Dienstpläne, Namen und Telefonnummern von Soldaten, die einen groß angelegten Sicherheitsring um den Versammlungsort im Süden Kabuls bilden sollen. Der Plan wird wegen seines Faktenreichtums und seiner einfachen Überprüfbarkeit allgemein als authentisch angesehen.

Echtheit bestritten

Afghanische Stellen bestritten allerdings die Echtheit des Dokumentes. "Das ist eine Lüge", sagte Jirga-Sprecherin Safi Siddiqui. Die Nato-Mission in Afghanistan nannte den Text "fragwürdig". Der mediale Schaukampf der Kriegsparteien setzte sich inzwischen fort: Wenig später berichteten die Koalitionstruppen, sie hätten Taliban-Sprecher Mujahid Zabibullah im Osten Afghanistans festgenommen. Dieser meldete sich jedoch kurz darauf und erklärte, die Nato-Soldaten hätten nicht ihn, sondern jemand anderen gefangen.

Der einflussreiche Oppositionspolitiker Abdullah Abdullah und andere Parlamentsmitglieder haben die Loya Jirga für illegal erklärt. Die Delegierten seien nicht über den genauen Inhalt des geplanten Militärabkommens zwischen den USA und Afghanistan informiert worden, kritisierte er.

Die Vereinigten Staaten möchte nach dem Ende der Nato-Kampfmission am Hindukusch weiterhin Militärbasen in Afghanistan behalten. Die Loya Jirga soll auch darüber beraten. Teile des Parlaments sehen darin jedoch eine Beschneidung ihrer Macht durch Präsident Karzai.