New York/Zürich. Hunderte Polizisten waren im Einsatz, als der New Yorker Zuccotti-Park mitten in der Nacht geräumt wurde. Der Platz im Stadtzentrum ist Sammelpunkt der "Occupy Wall Street"-Bewegung, die seit zwei Monaten massiv gegen die Macht der Banken und der Finanzkonzerne auftritt. Die Polizei nahm zahlreiche Demonstranten fest, nachdem die vorwiegend jugendlichen Besetzer per Flugzettel aufgefordert worden waren, den Park zu verlassen. Jeder, der sich widersetze, werde in Haft genommen, hieß es. Der Zuccotti-Park ist die Geburtsstätte der Occupy-Bewegung, die sich mittlerweile über die ganze USA und nach Europa ausgebreitet hat.

Die Park-Besetzer - etwa 200 verbrachten die Nacht in Zelten - widersetzten sich am Dienstag der Räumung und skandierten: "Das ist unser Park." Seitens der New Yorker Stadtregierung hieß es, der Ort müsse gereinigt werden, die Demonstranten könnten danach wieder zurückkehren. Direkt nach der Räumung rückte ein Trupp von Straßenkehrern aus, die den Park mit Hochdruckreinigern bearbeiteten. Die Demonstranten sammelten sich unterdessen unweit des Parks und konnten tatsächlich im Laufe des Tages zurückkehren. Die Polizei kündigte jedoch an, dass von nun an niemand mehr auf dem Gelände übernachten dürfe. Gleichzeitig wurde die Räumung eines anderen, in der Nähe des Zuccotti-Parks gelegenen Protestcamps angekündigt.

Bei der Räumung des Parks fasste die New Yorker Polizei die Demonstranten nicht mit Glacéhandschuhen an: "Ich war geschockt. Sie haben mir die Hände nach hinten auf den Rücken gezogen, sie waren wirklich brutal", so eine 35-Jährige über den Einsatz. Der Polizei zufolge verließen die meisten Menschen den Park allerdings friedlich. Den Festgenommenen - rund 150 Personen - wird Ruhestörung vorgeworfen.

Viele Demonstranten gehen davon aus, dass die Protestbewegung durch die gewaltsame Räumung neue Impulse erhält. Am Donnerstag soll in New York die bisher größte Kundgebung stattfinden. Die gesamte Wall Street soll mit einem Straßenkarneval lahmgelegt werden, die Organisatoren rechnen mit 10.000 Teilnehmern. Geplant ist außerdem einen Protestmarsch über die Brooklyn-Bridge. Bürgermeister Bloomberg kündigte an, dass die Börse trotzdem pünktlich öffnen werde und die Menschen wie gewohnt zu ihrem Arbeitsplatz kämen.

Mordfall in Oakland

In anderen US-Städten ging die Polizei weitaus rigoroser gegen Occupy-Aktivisten vor. Die Zeltlager würden zunehmend zu einer "öffentlichen Bedrohung", zudem seien die hygienischen Zustände untragbar, heißt es mittlerweile bei vielen Bürgermeistern. Im kalifornischen Oakland wurde ein Protestcamp geräumt, nachdem zuvor unweit des Lagers ein Mann erschossen worden war. Der mutmaßlich Täter, so heißt es, soll sich häufig in der Zeltstadt aufgehalten haben. Auch in Portland im US-Bundesstaat Oregon wurde ein Camp von der Polizei geräumt. Der Bürgermeister hatte zuvor behauptet, die Kriminalität sei zuletzt rund um das Lager um 20 Prozent gestiegen.

In einem Occupy-Camp in Vermont hat ein 35 Jahre alter Kriegsveteran offenbar Selbstmord begangen, ein anderer Aktivist wurde in New Orleans tot aufgefunden, ein weiterer in Salt Lake City. Letzterer soll an einer Überdosis Drogen gestorben sein. Diese Vorfälle führen die US-Behörden an, um die Schließung der Protestcamps voranzutreiben.

Auch in Europa wächst der Druck auf die Demonstranten. In London konnten die Aktivisten ihre Zeltstadt gerade noch für die kommenden Wochen sichern, in Zürich griff die Polizei ein. Das Camp im Stadtzentrum wurde aufgelöst, die Demonstranten ließen sich wegtragen. Die Polizei sprach von einem "friedlichen Einsatz", eine Aktivistin sagte allerdings, es seien auf Seite der Exekutive Tränengas und Pfefferspray zur Anwendung gekommen. Nun haben die Verantwortlichen der reformierten Kirche St. Jakob den Demonstranten bis Anfang Jänner Asyl angeboten.