Kinshasa. Zoe Kabila ist es gewohnt, dass er überall im Kongo Vorfahrt hat. Einmal wagten es aber zwei Verkehrspolizisten in der Hauptstadt Kinshasa, ihm diese zu verweigern. Daraufhin hetzte Zoe Kabila laut Zeugenberichten Soldaten der Republikanischen Garde, die ihn eskortierten, auf die zwei Beamten, die Polizisten wurden brutal verprügelt. Zoe Kabila ist der Bruder von Präsident Joseph Kabila, der sich am Montag zur Wiederwahl stellt.

Die Episode illustriert, wie eine kleine Elite im Kongo außerhalb des Gesetzes steht. Es sind dies Leute, die eng mit den Machthabern verwoben sind und von schummrigen Geschäften in dem Land, das Diamanten, Gold oder das für die Handyproduktion unerlässliche Coltan besitzt, profitieren. Diese Oberschicht bildet einen starken Kontrast zum Großteil der Bevölkerung, der arm ist und jeden Tag ums Überleben kämpfen muss.

Aber auch die Armen stehen außerhalb des Gesetzes, nur auf der anderen Seite als die Elite. Sie sind der Willkür von Polizisten und Beamten ausgeliefert, die für jede noch so kleine Dienstleistung Schmiergeld erwarten. In den mit Rohstoffen übersäten Kivu-Provinzen im Osten des Kongos, wo Kriegszustände herrschen und Vergewaltigungen an der Tagesordnung sind, fürchtet die Bevölkerung nicht nur die aufständischen Milizen, sondern auch die Regierungssoldaten: Deren Sold verschwindet oft in dunklen Kanälen, sie holen sich durch Plünderungen, was sie begehren.

Staatschef Joseph Kabila hat also wenig an den von Willkür geprägten Zuständen in seinem Land geändert. Er erbte das Präsidentenamt von seinem Vater Laurent-Desire Kabila, der 2001 von einem Leibwächter getötet worden war. Im Kongo herrschte damals gerade ein Krieg, in den fast sämtliche Nachbarstaaten, die alle ein Auge auf die Rohstoff des Landes geworfen hatten, verstrickt waren. Nachdem der Krieg 2003 offiziell beendet war, machte sich die internationale Gemeinschaft an den Wiederaufbau des Staates. 2006 wurden Wahlen organisiert, die als fair eingestuft wurden und die Kabila gewann.

Er versprach damals, die Armut zu bekämpfen. Doch die Entwicklungsprogramme "stellen für die Leute nur noch politische Slogans dar", sagt der für das belgische "Royal Museum for Central Africa" tätige Politanalyst Theodore Trefon, der sich schon mehr als 25 Jahre intensiv mit dem Kongo beschäftigt.