Washington/Wien. Ein neuer Stern geht am Firmament des US-Präsidentschaftswahlkampfs auf. Im Rennen darum, welcher Republikaner nächstes Jahr Barack Obama das Amt streitig machen darf, führt einer jüngsten Umfrage zufolge der texanische Abgeordnete Ron Paul. Das dem demokratischen Lager zugerechnete Meinungsforschungsinstitut "Public Policy Polling" prognostiziert dem überzeugten Liberalen 23 Prozent der Stimmen im Bundesstaat Iowa. Dort findet am 3. Jänner die erste republikanische Vorwahl zur Präsidentschaftskandidatur statt. An zweiter Stelle liegt der bundesweite Favorit und ehemalige Gouverneur von Massachusetts Mitt Romney. Auf den dritten Platz käme der Umfrage zufolge der ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich, mit 14 Prozent.

Zwar sieht auch ein zweites Meinungsforschungsinstitut Paul in Front, doch ein Querschnitt durch eine Reihe anderer Umfragen, zeigt ihn an zweiter Stelle - hinter Gingrich, aber noch vor Romney. Ein Riesenerfolg wäre das für den Texaner allemal.

Ron Paul ist bereits der fünfte Kandidat, der Langzeitfavorit Mitt Romney die Führungsrolle streitig macht. Michele Bachmann, Rick Perry, Herman Cain und zuletzt Gingrich waren in den vergangenen sechs Monaten einer nach dem anderen hochgejubelte Favoriten, die wenig später stolperten und die Gunst beim konservativen Wahlvolk verloren. Gingrich liegt in den Umfragen nach wie vor vor Romney, seine Popularität hat in den letzten Wochen jedoch drastisch abgenommen und wird dem Vermuten nach weiter fallen.

Republikanische Vorwahlen unterwandert?


Der kürzliche Aufstieg Ron Pauls wird einerseits mit der Unzufriedenheit der Wähler mit der bisherigen Auswahl an aussichtsreichen Kandidaten erklärt. Der Abgeordnete dürfte das Gros der Protestwähler hinter sich vereinen. Andererseits fürchtet man in republikanischen Kreisen, dass sich Demokraten und Unabhängige in die republikanischen Wahllisten einschreiben haben lassen, die Paul in der Vorwahl ihre Stimme geben, aber bei der Entscheidung im November hinter Obama stehen werden.

Grundsätzlich werden Paul wenig Chancen eingeräumt, tatsächlich das Ticket für die Präsidentschaftskandidatur zu lösen. Bundesweit bewegt sich seine Anhängerschaft nämlich seit Monaten konstant bei sechs bis elf Prozent. Doch wer weiß? Vielleicht erhält Paul mit einem soliden Erfolg den nötigen Schwung, um tatsächlich in die Entscheidung einzugreifen. Für die gewichtige Wahl in Florida Ende Jänner werden ihm jedenfalls auch gute Chancen eingeräumt.

Die letzte Umfrage des Nachrichtensenders CNN zeigt jedenfalls bundesweit ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Romney und Gingrich mit je 28 Prozent Unterstützung und Paul mit 14 Prozent auf dem dritten Platz.