Pjöngjang. In Nordkorea gibt es Anzeichen, dass Kim Jong-un seine Position als Nachfolger seines verstorbenen Vaters Kim Jong-il weiter gestärkt hat. Das Zentralorgan der kommunistischen Arbeiterpartei bezeichnete ihn am Montag in mehreren Artikeln als Chef des Zentralkomitees der Partei und rief dazu auf, treu hinter ihm zu stehen. Der Chef des Zentralkomitees ist automatisch Generalsekretär der Arbeiterpartei, was als höchster ziviler Posten in Nordkorea gilt.

Der Kim-Clan dürfte in den vergangenen Tagen seine Macht konsolidiert haben. Das Staatsfernsehen zeigte am Sonntag erstmals Jang Song-thaek, den Ehemann der jüngeren Schwester des Ex-Diktators. Jang stand an der Seite des neuen Machthabers Kim Jong-un am Glassarg Kim Jong-ils. Jang gilt seit langem als graue Eminenz des kommunistischen Regimes und Mentor des noch nicht 30-jährigen Kim Jong-un. Kim Jong-il hatte seinen Schwager im vergangenen Jahr zu seinem Stellvertreter in der nationalen Verteidigungskommission, dem militärischen Führungsgremium des Staates, gemacht.

Im Zusammenhang mit der Trauerfeier für den am 17. Dezember verstorbenen Kim Jong-il hat Nordkorea seinen Nachbarn im Süden aufgefordert, die Reisebeschränkungen zu lockern. Zuvor hatte das abgeschottete Land angekündigt, dass es seine Grenze für alle Südkoreaner öffnen werde, die zur Trauerfeier in Pjöngjang kommen wollten.

Die südkoreanische Regierung sendet keine eigene Delegation an die Trauerfeier. Nach Nordkorea gereist ist aber unter anderem die Witwe des früheren südkoreanischen Präsidenten Kim Dae-jung. Sie hoffe, dass ihr Besuch zur Verbesserung der Beziehungen zwischen den beiden Koreas beitragen werde, wurde die 90 Jahre alte Lee Hee-ho am Montag von einem Helfer vor der Überquerung der schwer bewachten Grenze zitiert. Kim Dae-jung, der eine Annäherungspolitik zu Nordkorea verfolgte, hatte im Juni 2000 beim ersten innerkoreanischen Gipfeltreffen Gespräche mit Kim Jong-il in Pjöngjang geführt.