Pjöngjang/Seoul. (gf/apa) In Nordkorea geschehen Zeichen und Wunder: Ein weißer Vogel, "größer als eine Taube", habe Schnee von den Schultern einer Statue Kim Jong-ils gewischt, berichtete Radio Pjöngjang. In einen eigens zum Gedenken an den verstorbenen Diktator eingerichteten Raum in einem Bergwerk seien Eulen eingeflogen. Und an Kims angeblichen Geburtsort in der Nähe des Berges Beakdu sei das Eis "mit einem Donnern" gebrochen, und an der Bergspitze sei ein Leuchten zu sehen gewesen.

Mit solchen skurrilen Nachrichten stimmt das Regime in Nordkorea auf die Beisetzungsfeierlichkeiten für den "geliebten Führer" ein, die am heutigen Mittwoch stattfinden sollen. Hunderttausende werden dem langjährigen Machthaber das letzte Geleit geben. Ausländische Trauergäste sind nicht eingeladen.

Stattdessen empfing Diktator-Sohn Kim Jong-un, der von nordkoreanischen Medien bereits als neuer Oberbefehlshaber der Armee und Chef der Kommunistischen Partei bezeichnet wird, eine private, aber prominent besetzte Beileidsdelegation aus Südkorea. Mit dabei war die Witwe des ehemaligen südkoreanischen Präsidenten Kim Dae-jung und die Vorsitzende der Hyundai-Gruppe. Kim hatte für seine Entspannungspolitik gegenüber dem Norden im Jahr 2000 den Friedensnobelpreis erhalten, Hyundai-Cründer Chung Ju-yung hatte diese "Sonnenscheinpolitik" wirtschaftlich unterstützt.

Nachbarn konferieren

Mittlerweile ist das Verhältnis zwischen Norden und Süden längst wieder abgekühlt. Südkorea sucht daher anderswo Unterstützung: Am Dienstag war der chinesische Vizeaußenminister Zhang Zhijun in Seoul, um über die Stabilität in der Region zu sprechen. Er rief dabei zu einer engeren Kommunikation zwischen Seoul und Peking auf. Die "Dynamiken in der asiatisch-pazifischen Region" würden "kompliziert und ernst", sagte er laut offizieller Übersetzung, ohne Nordkorea direkt zu erwähnen.

China ist der wichtigste Verbündete Nordkoreas. Peking unterstützt die Ernennung Kim Jong-uns zum "Großen Nachfolger" seines verstorbenen Vaters und sicherte der Atommacht Nordkorea nach dem Tod Kim Jong-ils seine Zusammenarbeit zu, um Frieden und Stabilität zu garantieren, wie es hieß. Denn die Volksrepublik fürchtet, dass Instabilität im Nachbarland Flüchtlingsströme Richtung China ziehen würde, von den geopolitischen Folgen ganz abgesehen.

Auch die anderen regionalen Mächte plagen die Sorge vor unkontrollierbaren Auswirkungen eines chaotischen Nordkorea: Am Wochenende betonten daher Japans Ministerpräsident Yoshihiko Noda und die chinesische Führung bei einem Treffen in Peking den Willen, gemeinsame Anstrengungen für "Stabilität und Frieden" auf der koreanischen Halbinsel zu unternehmen. Noda drängte China dazu, Nordkorea zur Rückkehr der Sechs-Parteien-Gespräche über Pjöngjangs Atomprogramm zu bewegen. Man hofft, dass Kim Jong-un dazu bereitwilliger ist als sein Vater. Der Name des "großen Nachfolgers" wurde in der Parteizeitung "Rodong Sinmun" nun erstmals in fetten Buchstaben gedruckt, wie es bisher nur für den Gründer der Dynastie, Kim Il-sung, und seinen Sohn Kim Jong-il üblich war.