Abuja.

Für die Christen im Norden Nigerias wird die Situation immer bedrohlicher: Heute, Mittwoch, läuft das Ultimatum ab, den großteils von Moslems bewohnten Norden des Landes zu verlassen. Gesetzt hatte die Frist die islamistische Sekte Boko Haram. Dass diese bereit ist, wahllos zu töten, bewiesen die Fanatiker mit ihren Anschlägen auf Kirchen zu Weihnachten, bei denen etwa 50 Menschen ermordet wurden.

Der nigerianische Staat versucht nun, das Schlimmste zu verhindern: Präsident Goodluck Jonathan hat über vier Teilstaaten im Norden und im Zentrum des Landes den Ausnahmezustand verhängt und die Armee dorthin entsandt. Hohe moslemische Würdenträger verurteilten zwar die Anschläge von Boko Haram. Und auch christliche Bischöfe warnten davor, dass die Religionsgemeinschaften keinen Keil zwischen sich treiben lassen sollen. Gleichzeitig kündigte aber der Präsident der Vereinigung der Christen Nigerias, Ayo Oritsejafor, an, dass sich die Christen zur Wehr setzen würden, wenn es weitere Angriffe auf sie gibt.

Sollte es der Regierung nicht gelingen, bald wieder für Ruhe zu sorgen, droht dem Land ein Flächenbrand. Schon in den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Gewaltakten zwischen Christen und Moslems. Angehörige der beiden Religionsgruppen lieferten sich Straßenschlachten, manchmal wurden auch ganze Dörfer niedergebrannt. Die religiösen Konflikte werden dabei laut Beobachtern von politischen Auseinandersetzungen, einer immensen Armut oder Streitigkeiten um Landbesitz angeheizt.

Mitten in der derzeit angespannten Lage hat die Regierung nun einen Schritt gesetzt, der für weitere Unruhen sorgt. Die Subventionierung von Kraftstoffen wurde aufgehoben, der Benzinpreis hat sich seit Jahresbeginn verdoppelt. In Lagos kam es deshalb bereis zu wütenden Protesten. Die Bevölkerung ist über die gestiegenen Benzinpreise erzürnt, werden doch in Nigeria reiche Erdölvorkommen ausgebeutet.