Kabul/Doha. (is) Dass die USA eine Entscheidung der Taliban begrüßen, kommt selten vor. Nun taten sie es aber. Denn die Führung der Taliban erklärte sich erstmals bereit, mit der internationalen Staatengemeinschaft in Kontakt zu treten. Elf Jahre nach Beginn des Afghanistan-Krieges vor elf Jahren besteht damit die Hoffnung auf einen ernsthaften Friedensdialog mit den Islamisten.

Geführt werden sollen die Gespräche in Katar, wo die Taliban ihr erstes offizielles Auslandsbüro eröffnen wollen. Allerdings stellte der Führungszirkel um Mullah Omar in seiner via Internet verbreiteten Botschaft klar, dass es sich dabei nicht um ein offizielles Angebot für Friedensgespräche mit den USA und der Regierung in Kabul handle. Auch an ihrer Forderung eines vollständigen Abzugs der von den USA angeführten Nato-Truppen aus Afghanistan sowie ihren Militäraktionen gegen die Sicherheitskräfte halten die Jihadisten fest.

Die Regierung in Washington begrüßte die Initiative dennoch ausdrücklich. Präsident Barack Obama "unterstützt jeden Schritt, der zur Versöhnung Afghanistans beiträgt", erklärte ein Sprecher im Weißen Haus. Am Ende eines Krieges müsse man sich immer an einen Tisch mit seinen Feinden setzen, um einen Friedensvertrag zu erreichen. Und nur mit einer offiziellen Anlaufstelle seien Gespräche möglich, zeigte sich das State Department erfreut.

Sehr überraschend kam die Ankündigung der Taliban für Washington nicht. Ihr waren monatelange Geheimverhandlungen in Katar vorausgegangen, bei denen den künftigen Aufständischen auch Sicherheitsgarantien gegeben wurden. US-Vertreter sprechen von sechs inoffiziellen Treffen mit den Islamisten im vergangenen Jahr in Katar. Deutschland, das im Dezember die internationale Afghanistan-Konferenz ausgerichtet hat, kam dabei eine wichtige Vermittlerrolle zu.

Gescheitert war die Eröffnung der Taliban-Auslandsvertretung in Katar, einem engen US-Verbündeten, lange am Widerstand Kabuls. Erst knapp vor Jahresende hatte Präsident Hamid Karzai auf Druck der USA zähneknirschend grünes Licht gegeben. Um die Einflussnahme Washingtons auf den Friedensprozess möglichst gering zu halten, wollte er mit der bewaffneten Opposition lediglich auf afghanischem Boden verhandeln, allenfalls noch in der Türkei oder in Saudi-Arabien.

Bis ein Friedensdialog in Gang kommen kann, sind aber noch einige Hürden zu nehmen; so verlangen die Taliban als erste vertrauensbildende Maßnahme die Freilassung von fünf ihrer Kämpfer, die seit Jahren in dem Guantanamo-Lager auf Kuba festhalten. Letztlich haben aber weder die Taliban noch die westliche Allianz eine Alternative zu Verhandlungen. Denn militärisch herrscht am Hindukusch seit Jahren eine Pattsituation.