Kano. Der Angriff ereignete sich mitten im Gottesdienst. In Nigeria sind erneut Christen getötet worden. Bewaffnete stürmten eine Kirche im Nordosten des Landes und erschossen sechs Menschen, berichtete der Pastor der Kirche in der Stadt Gombe, John Jauro. Und das war erst der Auftakt, es folgte ein noch blutigeres Attentat. Am Freitag erschossen zudem Unbekannte 16 Menschen in einem Rathaus in der Stadt Mubi. Die Schüsse galten einer Besuchergruppe aus dem christlich geprägten Süden Nigerias, die zu einem Treffen in das Rathaus im überwiegend islamischen Norden des Landes gekommen waren.

Zunächst bekannte sich niemand zu den Attentaten. Der Verdacht fiel aber sofort auf die islamistische Sekte Boko Haram, die erst zu Weihnachten 50 Menschen bei Anschlägen auf Kirchen getötet hatte. Boko Haram, deren Name im örtlichen Hausa-Dialekt "Die westliche Lehre ist Sünde" bedeutet, hatte zu Wochenbeginn den Christen ein Ultimatum gestellt, den Norden Nigerias zu verlassen. Das Ultimatum ist mittlerweile abgelaufen.

Nigerias Präsident Goodluck Jonathan hat bereits mehrfach angekündigt, dass der Staat hart gegen Boko Haram vorgehen wird. In vier Bundesstaaten wurde der Ausnahmezustand ausgerufen. Doch die Verfolgung der Fanatiker ist auch die Jagd auf ein Phantom. Über die genaue Struktur der Organisation herrscht Rätselraten - etwa ob sie eine Einheit oder in mehrere Gruppierungen zersplittert ist.

Jedenfalls steigt nun in Nigeria die Angst, dass sich die Spirale der Gewalt weiter hochschraubt. Moslemische Würdenträger verurteilen zwar immer wieder scharf die Attentate auf Christen. Und auch christliche Bischöfe warnten davor, dass sich die Religionsgemeinschaften nicht gegeneinander aufhetzen lassen sollen. Gleichzeitig kündigte aber der Präsident der Vereinigung der Christen Nigerias, Ayo Oritsejafor, bereits vor Tagen an, dass sich die Christen zur Wehr setzen würden, wenn die Attentate auf sie kein Ende nehmen.

Schon in den vergangenen Jahren kam es oft zu Gewaltakten zwischen Christen und Moslems, etwa zu brutalen Straßenschlachten. Die religiösen Konflikte werden dabei von einer großen Armut, politischen Streitigkeiten und Konflikten um Landbesitz angeheizt.