Kairo/Nikosia. Das syrische Regime will nach dem Terroranschlag in Damaskus mit "eiserner Faust zurückschlagen". Das kündigte Innenminister Mohammed Ibrahim al-Shaar an, berichtete das Staatsfernsehen.
Einen Tag nach dem Bombenanschlag haben indessen Tausende Menschen in Damaskus am Samstag bei einer Trauerfeier der Opfer gedacht. "Gott schütze die Souveränität Syriens!", riefen Trauernde laut Augenzeugenberichten. Das Staatsfernsehen zeigte, wie Särge auf einer Prozession unter massiven Sicherheitsvorkehrungen durch die Straßen zu der Al-Hassan-Moschee getragen wurden.


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Am Freitag hatte sich ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt und 26 Menschen mit in den Tod gerissen, 63 Personen wurden verletzt. Der Minister sagte, 15 Tote habe man noch nicht identifizieren können, da die Körper bei der Explosion völlig zerfetzt worden seien. Der oppositionelle "Syrische Nationalrat" unter Burhan Ghalioun beschuldigte das Regime von Präsident Bashar al-Assad, den Anschlag inszeniert zu haben.

Kritik der Arabischen Liga

Der Ministerpräsident von Katar, Scheich Hamad bin Jassem al-Thani, dessen Land derzeit den Vorsitz in der Arabischen Liga führt, warf der syrischen Regierung vor, nichts zu tun, um die Gewalt zu beenden. Die Beobachtermission der Liga dürfe nicht "ihre Zeit verschwenden", kritisierte er im TV-Sender Al-Jazeera.

Am Donnerstag hatte Katars Premier UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon um "technische Hilfe" für die Mission ersucht. Die syrische Opposition sieht in der von dem umstrittenen sudanesischen General Mohammed Mustafa Ahmed al-Dabi geleiteten Mission ein Täuschungsmanöver und kreidet den Beobachtern an, mit den syrischen Sicherheitsbehörden zu kooperieren und sich von diesen steuern zu lassen.

Die Arabische Liga soll nach Diplomatenangaben am Sonntag in Kairo entscheiden, ob die Mission fortgesetzt oder der UNO-Sicherheitsrat eingeschaltet werden soll. Generalsekretär Nabil Elaraby hatte zuvor ein vorzeitiges Ende der für einen Monat geplanten Mission jedoch abgelehnt. Seit Beginn des Aufstands gegen das Assad-Regime im März sind nach UNO-Schätzungen mehr als 5000 Menschen getötet worden.

"Keine Form von Gewalt ist akzeptabel", hatte UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon zuvor in New York erklärt. Der Weltsicherheitsrat will sich am Dienstag wieder mit dem Syrien-Konflikt befassen. Aus diplomatischen Kreisen in New York hieß es, dass bisher keine Annäherung zwischen den westlichen Syrien-Kritikern im Rat und Russland auf der anderen Seite zu erkennen sei.

Russische Kriegsschiffe unterwegs nach Syrien

Wie indessen bekannt wurde, sind einem Agenturbericht zufolge zwei russische Kriegsschiffe auf dem Weg nach Syrien. Ihre Ankunft wird für Samstag im Hafen Tartus erwartet, wie die staatliche Nachrichtenagentur Itar-Tass am Freitag unter Berufung auf den Generalstab der Marine berichtete. Tartus ist die zweitgrößte Hafenstadt Syriens. Die beiden Kriegsschiffe gehören zu einer Reihe von russischen Seefahrzeugen, die sich derzeit im Mittelmeer aufhält. Sie sollen dem Bericht zufolge ein paar Tage im Hafen - einem der wenigen russischen Außenposten im Ausland - verweilen. Mit den Kriegsschiffen dürfte Russland Beobachtern zufolge seine Macht demonstrieren und Unterstützung für den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad signalisieren wollen.

Russland unterhält enge Beziehungen zu Syrien. So ist das arabische Land ein wichtiger Käufer russischer Waffen. Seit Beginn der Proteste in Syrien gegen die Regierung sind nach UN-Angaben mindestens 5000 Menschen getötet worden. Die Vereinten Nationen werfen der syrischen Führung schwere und systematische Menschenrechtsverletzungen vor. Syrien weist die Vorwürfe zurück und macht kriminelle Banden für die seit acht Monaten anhaltenden Unruhen verantwortlich.

Lagebericht

In Kairo wurde am Samstag indessen General al-Dabi, der Leiter der Beobachtermission, erwartet. Er soll dem Generalsekretariat der Arabischen Liga einen ersten Lagebericht übergeben. Die Beobachter sind seit dem 26. Dezember in Syrien. Sie sollen sicherstellen, dass politische Häftlinge freigelassen werden, dass sich die Armee aus den Städten zurückzieht und die politisch motivierte Gewalt aufhört.

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