Rangun. Paukenschlag in Burma (Myanmar): In dem südostasiatischen Land sind am Freitag auf einen Schlag hunderte politische Gefangene freigekommen, um deren Leben Menschenrechtsorganisationen gefürchtet haben. Viele waren zu mehr als 60 Jahren Haft verurteilt worden. Präsident Thein Sein erfüllte damit innerhalb von 48 Stunden die zweite große Forderung westlicher Regierungen für eine Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen Burma. Zuvor hatte der Ex-General einen historischen Waffenstillstand mit den Rebellen der Karen, der größten ethnischen Minderheit im Land, geschlossen. Tatsächlich stellte der deutsche Außenminister Guido Westerwelle nun ein Ende der Sanktionen in Aussicht, wenn die Regierung die Reformen konsequent fortsetze.

Unter den 651 Entlassenen waren die 591 politischen Gefangenen, deren Freilassung Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi im Dezember gefordert hatte, berichtete der Exilsender DVB. Einer der Prominentesten unter ihnen ist Min Ko Naing - nach Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi "der am meisten respektierte Anführer der Demokratiebewegung Burmas", urteilt das Exil-Magazin "Irrawaddy". Manche Dissidenten und ihre Familien feierten ausgelassen. "Ich bin so froh, meine Familie zu sehen", sagte etwa die Demokratieaktivistin Nilar Thein. Keinen Grund zur Freude sah jedoch Khin Nyunt. "Ich hätte nie verhaftet werden dürfen, ich habe sieben Jahre meines Lebens vergeudet", sagte der 72-Jährige, der früher selbst Premier war, aber nach Reformversuchen in Ungnade fiel. Die meisten Freigelassenen meinten, es seien weitere Häftlinge zu Unrecht in den Gefängnissen.

Burma wurde jahrzehntelang von einer Militärjunta brutal beherrscht. Seit Anfang 2011 hat das Land eine zivile Regierung. Diese wird zwar auch von ehemaligen hohen Militärs wie Präsident Thein Sein oder noch aktiven Generälen beherrscht. Doch die neue Regierung hat einen Reformkurs eingeschlagen.