Addis Abeba/Wien. Die Täter standen schnell fest, zumindest für die äthiopische Regierung. Nach dem Überfall auf die Touristengruppe im Nordosten Äthiopiens, bei denen fünf Europäer, darunter ein Österreicher, getötet und vier Menschen entführt worden waren, zeigt die äthiopische Regierung sofort auf das Nachbarland und den Erzfeind Eritrea.

Im äthiopischen Hochland ist der Zugang zu sauberen Wasser die größte Sorge.
Im äthiopischen Hochland ist der Zugang zu sauberen Wasser die größte Sorge.

"Hinter dem Angriff steckt eine subversive Gruppe, die von der eritreischen Regierung trainiert und mit Waffen ausgerüstet wurde", verkündet Äthiopiens Regierungssprecher Bereket Simon. Auch der Zeitpunkt der Attacke ist für Simon kein Zufall: Eritrea wolle die Region vor dem Gipfel der Afrikanischen Union, der nächste Woche in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba beginnt, destabilisieren. Eritrea weist die Anschuldigungen brüsk zurück. "Das ist eine absolute Lüge und eine reine Erfindung", entrüstet sich der eritreische Botschafter bei der Afrikanischen Union, Girma Asmeron.

Schon im Jahr 2007 waren im äthiopischen Grenzgebiet zu Eritrea vier Briten und eine Französin und ihre acht einheimischen Begleiter von einer bewaffneten Gruppe gekidnappt worden. Die entführten Europäer wurden zwei Wochen später den eritreischen Behörden übergeben, die schon zuvor über deren Freilassung verhandelt haben sollen. Auch die acht Äthiopier wurden schließlich freigelassen.

Dass Eritrea einen engen Kontakt zu bewaffneten Gruppen in Äthiopien aber auch in Somalia unterhält, behauptet nicht nur die äthiopische Regierung, sondern sagen auch politische Beobachter. Internationale Diplomaten warnen jedoch davor, nach dem jüngsten Vorfall schon voreilige Schlüsse zu ziehen.

Säbelrasseln in Addis Abeba
Die Lage zwischen Äthiopien und Eritrea spitzt sich jedenfalls erneut zu – es droht gar ein bewaffneter Konflikt. "Äthiopien behält sich das natürliche Selbstverteidigungsrecht vor. Unsere Soldaten sind vor Ort", erklärt Regierungssprecher Simon. Noch hätten sie aber die äthiopisch-eritreische Grenze nicht überschritten.

Es wäre nicht der erste Waffengang in dieser Region. Äthiopien annektierte Eritrea nach dem Zweiten Weltkrieg. 1991 gelang es äthiopischen und eritreischen Rebellen gemeinsam, das damalige marxistische Regime in Äthiopien zu stürzen, zwei Jahre später erlangte Eritrea friedlich die Unabhängigkeit. Doch bald setzten Grenzstreitigkeiten ein, die 1998 schließlich in einem zweijährigen Krieg gipfelten. Äthiopien siegte militärisch, 70.000 Menschen starben. Bis heute sind sich die beiden Staaten spinnefeind.