Addis Abeba/Wien. (red) Es ist oft ein schmaler Grat zwischen Reiz und Gefahr: Die Danakil-Senke, in deren Gebiet der Überfall auf die Gruppe europäischer Touristen stattfand, gilt zwar als unwirtlich, aber landschaftlich reizvoll. In der Gegend befand sich einst die Wiege der Menschheit. Grund genug für viele, die Senke trotz der instabilen Sicherheitslage aufzusuchen. Immer noch bieten Reiseveranstalter Touren in die Danakil-Senke an, trotz der Reisewarnungen, die etwa auch das österreichische Außenministerium für das Gebiet herausgegeben hat.

Diese Warnungen sollten laut Experten tunlichst beachtet werden - "weil das Außenministerium in dieser Hinsicht ohnehin eher zögerlich ist", meinte Maria Ecker, Juristin beim Verein für Konsumenteninformation. In der Regel, betont man im Außenamt, spreche man Reisewarnungen nur "in besonderen Krisensituationen" aus - also beispielsweise bei Krieg oder Bürgerkrieg, also bei einer "generellen Gefährdung für Leib und Leben". Für Äthiopien gilt seit dem 7. Dezember des Vorjahres eine partielle Reiswarnung, die von einem erhöhten Risiko vor Terroranschlägen spricht.

Wenn der Reisende dennoch in eine Zwangslage kommt, leistet das Außenministerium zwar selbstverständlich Hilfe - diese könnte einem aber teuer zu stehen kommen: Es drohen Regressansprüche. Laut Konsulargebührengesetz können bis zu 20.000 Euro pro Person eingefordert werden. Das Gesetz wurde im April 2006 erlassen - nach der Freilassung zweier im Jemen entführter Österreicher, die sich trotz Reisewarnung in das Krisengebiet im Süden der Arabischen Halbinsel begeben hatten und im Dezember 2005 entführt worden waren. Es gilt für den Fall, dass sich heimische Touristen im Ausland grob schuldhaft in eine Gefahrenlage begeben, die ein Einschreiten des Staates erfordert.

Das muss aber nicht heißen, dass die Republik nun bei jeder Gelegenheit Regressansprüche geltend macht. Der Fall der beiden Salzburger Ex-Geiseln Wolfgang Ebner und Andrea Kloiber ist hier beispielgebend.

Die Halleiner wurden im Februar 2008 im tunesisch-algerischen Grenzgebiet gekidnappt und in den Norden Malis verschleppt. Sie hatten sich 252 Tage lang in Geiselhaft des nordafrikanischen Zweigs des Terrornetzwerks Al-Kaida befunden. Nach langen Verhandlungen hatte das Außenministerium Ende Oktober dieses Jahres ihre Freilassung bekannt geben können.

Kein Regress nach Verfahren

Die beiden Salzburger hatten nach ihrer Ankunft angegeben, sie hätten sich bei ihrer Gefangennahme außerhalb des touristischen Sperrgebietes im Süden von Tunesien aufgehalten. Die Republik ließ diese Aussagen in einem Verfahren überprüfen. Dazu wurden auch Stellungnahmen von Behörden in Tunesien und Algerien eingeholt. Das Ergebnis: Den Aussagen von Ebner und Kloiber wurde Glauben geschenkt. Deshalb, so das Außenamt im März 2009, bestünde auch keine Rechtsgrundlage für einen Regressanspruch.

Informationen wichtig

Generell verweist man im Außenamt auf Vorsichtsmaßnahmen, die jedem Reisenden empfohlen werden: So sollten die nächsten Angehörigen nicht nur Reisepläne und die Urlaubsanschrift, sondern auch Zwischenstationen, die Reiseroute, im Falle einer Autoreise auch Wagentyp und Autonummer kennen, um bei Notfällen leichter ausfindig gemacht werden zu können.

Pro Jahr nutzen rund 400.000 Österreicher die Hilfe des Außenministeriums, sagt Außenamts-Sprecher Peter Launsky-Tieffenthal gegenüber der "Wiener Zeitung". Meist geht es dabei aber um wenig dramatische Vorfälle wie den Verlust von Reisepässen oder auch Unfälle.