Porto Alegre. Tausende Globalisierungskritiker haben zum Auftakt des Weltsozialforums (WSF) im brasilianischen Porto Alegre gegen neoliberale Wirtschaftspolitik protestiert und mehr soziale Gerechtigkeit eingefordert. Zu dem fünftägigen Treffen, das sich seit jeher als Kontrapunkt zum Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos versteht, werden heuer bis zu 40.000 Teilnehmer erwartet, auch Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff hat sich angesagt.

Angesichts der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise werden sich die Debatten vor allem um sozial- und umweltverträglichere Alternativen zum neoliberalen Modell drehen.

"Drei Jahre nach der schlimmsten Wirtschaftskrise seit 1929, drei Jahre nach dem enormen Preisanstieg bei Waren und Lebensmitteln infolge von Spekulationen der Finanzriesen, vier Jahre nach dem alarmierenden UNO-Klimabericht, der eine CO2-Reduktion forderte, sind für all diese Probleme keine Lösungen in Sicht. Die etablierten Mächte sind damit beschäftigt, alles beim Alten zu belassen", heißt es im Eröffnungspapier des Weltwirtschaftsforums. "Wir müssen andere ökologische, postkapitalistische Modelle finden", erklärte der portugiesische Soziologe Boaventura Sousa Santos zum Auftakt. Das bestehende Wirtschaftssystem könne die Probleme der Armen, der Umwelt oder der Menschenrechte nicht lösen.

In Puerto Alegre, wo 2001 das WSF initiiert worden war, sollen zudem Vorschläge für den UN-Klimagipfel "Rio+20" im Juni in Rio de Janeiro erarbeitet werden. Einen entschiedeneren globalen Kampf gegen den Hunger forderte hingegen Jose Graziano, der Chef der Welternährungsorganisation FAO und Begründer des "Null-Hunger-Programms in Brasilien. Der FAO-Etat von einer Milliarde Dollar sei zu klein für diese Herausforderung, warnte er.

WEF - Seite 26