Washington. Die große Enthüllung war es nicht. In einer Online-Fragestunde hat Barack Obama am Montag erstmals offiziell zugegeben, was ohnehin seit Jahren bekannt ist: dass die USA mit unbemannten Flugzeugen Ziele in Pakistan angreifen. Moralische Bedenken wegen der zivilen Opfer, die der Drohnenkrieg gegen die Aufständischen im schwer zugänglichen Grenzgebiet zu Afghanistan fordert, hat der US-Präsident nicht. Es handle sich um "sehr präzise Angriffe gegen Al-Kaida und ihre Verbündeten", daher sei das Risiko für Zivilisten gering, behauptete Obama auf "Google+". Die Vorstellung, dass es einen "Haufen wahlloser Angriffe" gebe, sei falsch. "Wir sind sehr vorsichtig", die Einsätze würden sehr genau kontrolliert.

Pakistan sieht das allerdings anders. Dort sind die Drohnenangriffe, für deren Durchführung der US-Geheimdienst CIA verantwortlich zeichnet, wegen der großen Opfer in der Zivilbevölkerung äußerst umstritten. Gegen die Einschätzung Obamas sprechen auch die Zahlen des Londoner Büros für investigativen Journalismus. Die rund 300 Angriffe, die seit dem Jahr 2004 geflogen wurden, forderten demnach knapp 2500 Tote - mindestens 400 davon waren Zivilisten (Stand Anfang November 2011). Erst am Freitag hatten in Karachi 100.000 Menschen ihren Unmut gegen die Luftangriffe in den Stammensgebieten zum Ausdruck gebracht. Zu der Demonstration aufgerufen hatte die größte religiöse Partei des Landes, die Jamiat-e-Ulema Islam.

Die Führung in Islamabad vollzieht einen schwierigen Drahtseilakt. US-Militärhilfe gibt es nur bei einer stillschweigenden Tolerierung der Drohnenattacken (samt insgeheimer nachrichtendienstlicher Unterstützung), damit verliert die Regierung aber an Rückhalt in der Bevölkerung.

Auf Zwischenfälle wie den von November, als ein Nato-Angriff auf einen Militärposten 24 pakistanische Soldaten das Leben kostete, reagiert die pakistanische Führung dementsprechend empfindlich. Die USA mussten die Luftwaffenbasis Shamsi, von der auch US-Drohnen gestartet waren, räumen und sie mussten ihre Luftangriffe zwei Monate lang aussetzen. Des weiteren wurde vereinbart, dass der US-Geheimdienst Pakistan über bevorstehende Drohnenangriffe informieren muss. Dies wird oft der Fall sein, sofern sich die USA an die Vereinbarung halten. Denn die Zahl der Drohneneinsätze soll in Zukunft deutlich steigen - nicht nur in Pakistan, wo sie seit Obamas Amtsantritt 2009 drastisch intensiviert wurden, sondern auch in Afghanistan, dem Irak oder in Somalia. So sieht es die neue US-Militärstrategie vor.

Derzeit sind laut "Wall Street Journal" rund um die Uhr 61 unbemannte Kampfpatrouillen mit bis zu vier Drohnen im Einsatz, in den nächsten Jahren soll die Zahl auf 85, also um rund ein Drittel, anwachsen. Schon bisher floss einiges Geld in die Superwaffe: die Ausgaben hätten sich seit 2003 auf fünf Milliarden Dollar nahezu verzehnfacht, schreibt "Spiegel"-online. Die neue Kriegsführung trifft auch der Al-Kaida im Jemen: Am Dienstag starben bei einem Drohenangriff, der den USA zugeschrieben wird, zwölf mutmaßliche Terrorkämpfer.