Wien. In Afghanistan werden 90 Prozent des Opiums auf der Welt hergestellt. Durch den Opiumhandel werden große Teile der Aktivitäten der radikal-islamischen Taliban finanziert. Die afghanische Regierung versucht seit dem Sturz der Taliban nach den Anschlägen vom 11. September 2011 mit Hilfe internationaler Unterstützung die illegale Drogenproduktion einzudämmen. Über neue Wege im Kampf gegen den Drogenschmuggel aus Afghanistan wurde auf einer internationalen Ministerkonferenz unter Federführung der UNO beraten, die am Donnerstag in der Wiener Hofburg stattfand.

"Wir haben eine gemeinsame Verpflichtung gegenüber dem afghanischen Volk und all jenen, deren Leben wegen der Bedrohung durch den Drogenhandel mit Verzweiflung verdunkelt wird", sagte UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon in seiner Rede zur Eröffnung der Konferenz. Bei der Bekämpfung des Handels mit Heroin und Opiaten aus Afghanistan sei die Zeit nicht auf der Seite der internationalen Gemeinschaft. "Wir können nicht von einer nachhaltigen Entwicklung sprechen, wenn die Opiumproduktion die einzige anvisierbare Wirtschaftsaktivität im Land (Afghanistan) ist", sagte der UNO-Generalsekretär. Laut Ban wird sich die internationale Gemeinschaft nach Abzug der Nato-Truppe Isaf aus Afghanistan 2014 mehr und mehr auf die UNO verlassen, aber auch die afghanische Regierung müsse dem Kampf gegen die Drogenproduktion und den Drogenhandel Priorität einräumen.

Die Außenminister Russlands und Frankreichs, Sergej Lawrow und Alain Juppe, die die Konferenz angeregt hatten, riefen dazu auf, im Kampf gegen den Drogenschmuggel aus Afghanistan nicht nachzulassen. Laut Juppe konsumieren weltweit 16 Millionen Menschen Heroin oder Opiate.

Außenminister Michael Spindelegger verwies als Gastgeber auf die gemeinsame Verantwortung, zu der sich die Konferenzteilnehmer in Sachen Drogen aus Afghanistan bekannten. Er forderte, akkordierte Ziele auch umzusetzen, und kündigte für April eine Konferenz in Wien an, die sich gezielt mit der Kontrolle der afghanischen Grenzen nach Abzug der Isaf befassen soll.

Armut ist der Hauptgrund für den Schlafmohn-Anbau


Der afghanische Anti-Drogen-Minister Zarar Ahmad Muqbel Osmani sagte, dass sein Land die internationale Besorgnis über den Schlafmohn-Anbau nachvollziehen könne. 95 Prozent des afghanischen Opiums würden in neun unsicheren Provinzen hergestellt. Neben Armut sei vor allem Unsicherheit der wichtigste Faktor für afghanische Bauern, Schlafmohn für die Opiumproduktion anzubauen. Osmani rief die Teilnehmer dazu auf, mitzuhelfen, dass Chemikalien, die für die Opiumproduktion nötig sind, nicht nach Afghanistan gelangen.

Die Menge des in Afghanistan produzierten Opiums ist laut einem UN-Bericht im Vorjahr um 61 Prozent im Vergleich zu 2010 auf 5800 Tonnen gestiegen. Der Wert des afghanischen Opiums erhöhte sich im selben Zeitraum um 133 Prozent auf 1,4 Milliarden US-Dollar (1,1 Milliarden Euro). Das entspricht neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts Afghanistans im Jahr 2011.

Die Abschlusserklärung der Konferenz bezeichnet den illegalen Handel mit Opiaten als wachsendes Problem, das illegale Geldflüsse nach sich zieht, Korruption und organisierte Kriminalität fördert und in einigen Fällen sogar terroristische Aktivitäten und Aufstände. Als Ziele werden die Stärkung der afghanischen Behörden zur Bekämpfung des Drogenschmuggels, Unterstützung für das in Wien ansässige UNO-Büro zur Bekämpfung der Drogenkriminalität (Undoc) sowie die Erleichterung der grenzüberschreitenden Arbeit von Justiz und Polizei im Produktionsland sowie in den Transitstaaten und den Konsumentenländern angepeilt. Künftig soll es auch mehr Informationsaustausch zu Geldflüssen im Zusammenhang mit dem Drogenhandel geben.