Kabul. Die Taliban sprechen von Rache: Ein Selbstmordattentäter hat am Flughafen der ostafghanischen Stadt Jalalabad am Montag neun Menschen mit in den Tod gerissen - aus Vergeltung für die Verbrennung von Ausgaben des Koran in einem US-Militärlager, verkündeten die Gotteskrieger. Die Verbrennung der Koran-Exemplare hatte in den vergangen Tagen auch zu wütenden, gewaltsamen Protesten geführt. Diese sollen sich aber am Montag etwas beruhigt haben.

Der Attentäter am Flughafen von Jalalabad hatte sich laut Behörden sich in einem mit Sprengstoff gefüllten Fahrzeug an der Einfahrt zum Flughafen in die Luft gesprengt. Unter den Toten befanden sich sechs Zivilisten, zwei Wachleute und ein Soldat.

Die Taliban behaupteten am Montag zudem, dass einer ihrer Kämpfer Essen und Getränke auf einer Basis der von der Nato angeführten Isaf-Truppen vergiftet habe. Ein Isaf-Sprecher erklärte, dass eine Untersuchung eingeleitet wurde. Behauptungen der Taliban, fünf US-Soldaten seien an Vergiftungen gestorben, wies der Sprecher zurück. Angaben der Taliban zu Opferzahlen sind in der Regel drastisch übertrieben.

Unterdessen hat die UNO wegen der Proteste der vergangenen Tage internationale Mitarbeiter aus Kunduz abgezogen und an andere Orte in Afghanistans verlegt. Zuvor hatte bereits die Nato ihre Mitarbeiter aus afghanischen Ministerien abgezogen, nachdem zwei US-Militärberater im Innenministerium - offenbar von einem afghanischen Polizisten - getötet worden waren. Der US-Botschafter Ryan Crocker hat aber trotz der zunehmenden Gewalt gegen ausländische Truppen und Berater von einem schnelleren Abzug der US-Truppen vom Hindukusch abgeraten. "Wir müssen unsere Anstrengungen verdoppeln. Wir müssen es schaffen, dass Al-Kaida nicht zurückkommt", sagte er dem Fernsehsender CNN. Bisher plant die Nato, die Sicherheitsverantwortung bis Ende 2014 an die Afghanen abzugeben. Bereits im kommenden Jahr wollen die USA ihre Führungsrolle bei den Kampfeinsätzen übertragen.