Fehlende Stimmzettel, lange Schlangen vor Wahllokalen

Manche Wahlfälschungen werden als administrative Unzulänglichkeit maskiert. So kann es sein, dass in Gegenden, wo mit einem Sieg der Opposition gerechnet wird, die Wahlzettel ausgehen. Oft sind auch die Wahllisten unvollständig. Manchmal wird in Armenvierteln, wo - um das Beispiel USA zu nennen - viele demokratische Wähler wohnen, die Zahl der Wahllokale knapp gehalten. Es bilden sich dann lange Schlangen und viele verzichten auf die Stimmabgabe.

Nachdem Wahlbeobachter immer wichtiger werden, richtet sich das Augenmerk der Wahlfälscher verstärkt auf diese Überwacher. Hier kommen Einschüchterung und Sabotage zum Einsatz, öfter greift man auf und effektivere Methoden zurück. So werden etwa Wahlbeobachter verschiedener Organisationen eingeladen in der berechtigten Hoffnung, dass die Meinungen über die Rechtmäßigkeit des Votums dann differieren. Länder wie Simbabwe, Kenia und Russland greifen auf diesen Trick zurück. Internationale Organisationen wie die "Gemeinschaft Unabhängiger Staaten" mit Sitz in der weißrussischen Hauptstadt Minsk sind eher geneigt, manipulierte Wahlen als rechtmäßig anzuerkennen als etwa die OSZE.

Diese Strategien sind aber harmlos im Vergleich zu den Geschützen, die die Taliban in Afghanistan auffahren. Wer dort zur Urne schreitet, muss seinen Finger in ein Stempelkissen mit Farbe drücken. Die Islamisten drohten 2010, dass allen Afghanen mit buntem Finger derselbe abgeschnitten werde. Eine Drohung, die sich tatsächlich negativ auf die Wahlbeteiligung auswirkte - und in Einzelfällen auch wahr gemacht wurde.