Mossul. (leg) Seit dem Abzug der US-Truppen aus dem Irak Ende 2011 hat sich die Lage für die religiösen Minderheiten im Land weiter verschärft: Ein Vertreter der Minderheit der Schabak in der Provinz Ninive gab vor der Presse in der nordirakischen Stadt Mossul an, in den vergangenen Wochen sei die Zahl der Attentate auf Angehörige seiner Religionsgemeinschaft spürbar angestiegen. Seinen Angaben zufolge wurden seit der US-Invasion im März 2003 alleine in Mossul und Umgebung 1188 Schabak getötet.

Die mehrsprachigen Schabak siedeln großteils in den Kurdengebieten im Norden des Irak. Getreu dem arabischen Wort Schabak, das sich von "verflechten" oder "verweben" herleitet, ist ihre religiöse Einordnung schwer zu treffen. Schiitische Einflüsse mischen sich mit vorislamischem Glaubensgut. Nach dem Irakkrieg 2003 waren es deshalb auch vor allem sunnitische Extremisten, die die Gruppierung, die dem Alevitentum nahesteht, ins Visier nahmen. Neben den Schabak sind auch die Minderheiten der Jesiden, die als Nachfahren der altpersischen Zarathustra-Religion gelten, und der Christen von religiös motivierter Gewalt betroffen: In den letzten Jahren kam es aufgrund der Verfolgungen zu einem Exodus von Christen aus den Großstädten Bagdad und Mossul in die nördlichen Kurdengebiete. Dort finden die oft gut ausgebildeten Christen aber nur schwer eine entsprechende Arbeit.

Hass entlädt sich im Irak aber nicht nur an religiösen Minderheiten: Am Wochenende hatten Berichte für Aufsehen gesorgt, wonach dutzende Jugendliche gesteinigt, totgeprügelt oder von Dächern gestoßen worden seien, weil sie Anhänger der aus den USA importierten Jugendkultur "Emo" sind. Die irakische Regierung, die die Morde leugnet, hatte das Emo-Phänomen als "Satanismus" gebrandmarkt. Seither machen Todesschwadronen Jagd auf die "homosexuellen" Jugendlichen: Das Vom-Dach-Stoßen gilt nach islamischem Recht als Strafe bei Homosexualität.