Die Atomanlage in Yongbyon auf Aufnahmen eines US-Satelliten. - © APAweb/AP/DigitalGlobe
Die Atomanlage in Yongbyon auf Aufnahmen eines US-Satelliten. - © APAweb/AP/DigitalGlobe

Pjöngjangs. Drei Jahre nach der Ausweisung der Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA/IAEO) hat Nordkorea die Behörde eingeladen, die Kontrollen wieder aufzunehmen. Eine Einladung sei an die IAEA geschickt worden, sagte Pjöngjangs Chefunterhändler Ri Yong-ho in Peking laut Aufnahmen des südkoreanischen Senders KBS. Die USA kritisierten indes einen geplanten Satellitenstart als Verstoß gegen UN-Resolutionen.

Mit der Einladung der Inspektoren solle die Umsetzung eines Ende Februar geschlossenen Abkommens mit den USA vorangebracht werden, erklärte Ri. Das Abkommen sieht eine Aussetzung des nordkoreanischen Atomprogramms vor. Demnach verzichtet Pjöngjang auf den Start von Langstreckenraketen, Atomtests und auf die Anreicherung von Uran und erhält im Gegenzug von den USA 240.000 Tonnen Nahrungsmittelhilfen.

Umstrittener Raketenstart
Nach der Ankündigung eines Satellitenstarts am vergangenen Freitag hatten sich die Spannungen zwischen Nordkorea und der internationalen Gemeinschaft jedoch verschärft. Nordkorea hatte erklärt, zwischen dem 12. und 16. April eine Langstreckenrakete mit einem Beobachtungssatelliten in den Weltraum schießen zu wollen. Aus nordkoreanischer Sicht stellt der geplante Satellitenstart das Abkommen mit den USA indes nicht infrage. Ri betonte, der geplante Start sei "eine Sache", das Abkommen mit den USA über Hilfslieferungen "eine andere". Das Abkommen werde "vollständig" umgesetzt, bekräftigte er.

Die USA, China, Japan und Südkorea verurteilten den geplanten Raketenstart umgehend als Provokation. Sie sehen in dem angeblichen Satellitenstart faktisch einen Raketentest und damit einen Verstoß gegen die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats, die Pjöngjang den Start von Langstreckenraketen jeder Art untersagen.

Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Victoria Nuland, begrüßte zwar die Einladung der IAEA-Inspektoren. Das ändere jedoch nichts an der Tatsache, dass ein Satellitenstart eine Verletzung der UN-Resolutionen und des kürzlich geschlossenen Abkommens darstelle, sagte sie.

Warnende Worte aus Japan
Die chinesische Regierung teilte mit, Ri und der chinesische Gesandte für den nordkoreanischen Atomstreit, Wu Dawei, hätten sich zu einem "offenen und tiefgehenden Meinungsaustausch" in Peking getroffen. Demnach war es bereits das zweite Mal seit Bekanntwerden des geplanten Raketenstarts, dass chinesische und nordkoreanische Unterhändler zu Gesprächen zusammenkamen.

Japan warnte, es könnte die nordkoreanische Langstreckenrakete abschießen, sollte sie sich Richtung Japan oder japanischer Gewässer bewegen. Südkorea warf der Regierung in Pjöngjang vor, eine Atomwaffe zu entwickeln.

Der Präsident des Forschungsinstituts Pacific Forum CSIS, Ralph Cossa, sagte, die nordkoreanische Führung um den jungen Staatschef Kim Jong-un teste aus, wie sie sich gegenüber der internationalen Gemeinschaft verhalten könne. Er wies darauf hin, dass in der kommenden Woche ein Atom-Gipfel in Seoul stattfindet, zu dem auch US-Präsident Barack Obama erwartet wird.

Andere Experten warnten, Nordkorea folge einem altbekannten Verhaltensmuster, demzufolge es auf "feindliche" Kritik an Raketenstarts mit Atomtests reagiere. Nordkoreas erster Atomtest 2006 kam drei Monate nach einem Raketenstart; der zweite Atomtest 2009 folgte auf eine Verurteilung eines Raketentests durch den UN-Sicherheitsrat.