Tokio/Wien. Japan hat erstmals seit 2010 wieder die Todesstrafe vollstreckt. Am Donnerstag seien drei verurteilte mehrfache Mörder erhängt worden, teilte das Justizministerium mit. Japan gehört neben den USA zu den einzigen führenden Industrienationen, die noch Hinrichtungen vornehmen. Gegner der Todesstrafe übten scharfe Kritik an den erneuten Vollstreckungen.

Heinz Patzelt, Generalsekretär von Amnesty International Österreich, zeigte sich schockiert und "sehr betroffen". Denn es habe die "leise Hoffnung" gegeben, dass sich "Japan dazu durchringt, die Todesstrafe nicht mehr zu vollstrecken", sagte Patzelt am Donnerstag gegenüber der APA. Japan und die USA seien die einzigen demokratischen Staaten, die "diese barbarische Strafe" noch anwenden. Dies sei "genauso zu verurteilen" wie bei anderen Ländern. Patzelt appellierte an Japan, von der Todesstrafe abzukehren und sich nicht mehr in eine Reihe mit "ewig gestrigen" Staaten zu stellen.

Als besonders grausam kritisieren Menschenrechtsorganisationen und ausländische Regierungen, dass den Todeskandidaten in Japan der Zeitpunkt der Vollstreckung nicht mitgeteilt wird. Die Todeskandidaten leben oft jahrelang in Einzelhaft. Erst wenige Minuten vor ihrer Hinrichtung wird den Gefangenen gesagt, dass sie sterben werden. Die dauernde Angst, dass es jeden Tag soweit sein könnte, treibt nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen viele Todeskandidaten in den Wahnsinn. Ist der Todestag gekommen, dürfen sie sich von ihren Angehörigen nicht mehr verabschieden. Die Angehörigen erfahren von den Hinrichtungen erst im Nachhinein.

Bei den Gehängten handelte es sich um Yasuaki Uwabe (48), der fünf Menschen während eines Amoklaufs auf einem Bahnhof in Shimonoseki in der westjapanischen Provinz Yamaguchi 1999 tötete. Tomoyuki Furusuwa (46) landete für den Doppelmord an seinen Schwiegereltern und Stiefsohn 2002 in Tokios Nachbarstadt Yokohama am Galgen. Yasutoshi Matsuda (44) wurde wegen des Raubmordes an zwei Barbesitzerinnen getötet.

Zuletzt hatte die ehemalige Justizministerin Keiko Chiba die Todesstrafe gegen zwei Mörder angeordnet. Chiba, die lange Zeit einer Gruppe von Todesstrafengegnern im Parlament angehörte, hatte als erste Justizministerin der Vollstreckung selbst beigewohnt. Um eine öffentliche Debatte zu bewirken, hatte sie zudem den Medien des Landes in einem bisher einmaligen Vorgang die Hinrichtungskammer zeigen lassen. Zu einer öffentlichen Debatte über die Todesstrafe ist es dennoch bis heute nicht gekommen.

Der amtierende Justizminister Toshio Ogawa berief sich auf Umfragen, wonach die  Mehrheit der Bürger die Todesstrafe für brutale Mörder befürworte. Eine Regierungsumfrage 2009 ergab, dass 86 Prozent der Japaner die Todesstrafe unterstützen.

Derzeit sitzen 132 Verurteilte in japanischen Todeszellen. Es gibt sieben Todeskammern in Vollzugsanstalten der Städte Tokio, Osaka, Hiroshima, Nagoya, Sapporo, Fukuoka und Sendai. Nach Angaben von Kritikern hatte der Giftgasanschlag der Endzeitsekte Aum Shinrikyo 1995 auf die Tokioter U-Bahn, bei der 13 Menschen getötet und tausende verletzt worden waren, der bis dahin wachsenden Bewegung zur Abschaffung der Todesstrafe ein Ende bereitet. Nur wenige Menschen hätten es gewagt, sich gegen die Verhängung der Todesstrafe gegen die Verantwortlichen des mörderischen Anschlags um den Sektengründer und verurteilten Drahtzieher Shoko Asahara öffentlich auszusprechen.