Wien. Die seit Jahren erfolglosen Verhandlungen um das iranische Atomprogramm gingen am Montag in eine neue Runde. Vertreter des Iran und der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) trafen nach einer dreimonatigen Pause hinter verschlossenen Türen in Wien zu zweitägigen Gesprächen zusammen. An den Gesprächen nehmen der iranische Botschafter bei der IAEO, Ali Asghar Soltanieh, und IAEO-Chefinspektor und stellvertretende IAEO-Generaldirektor Herman Nackaerts teil.

Zwei frühere Gesprächsrunden waren Anfang des Jahres ohne greifbare Ergebnisse geblieben. Seit der Wiederaufnahme von Gesprächen des Iran mit den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats und Deutschland scheint aber Bewegung in die Sache gekommen zu sein. Die nächste Verhandlungsrunde des Iran mit den sechs Mächten ist am 23. Mai geplant.

Dabei könnte der Westen dem Iran möglicherweise anbieten, ihm die Anreicherung von Uran bis fünf Prozent zu erlauben, wenn Teheran im Gegenzug strengen Kontrollen zustimmt. Nach wie vor höchst besorgt über das iranische Atomprogramm ist Israel, das darin eine existenzielle Bedrohung für das eigene Land sieht und kürzlich mit Luftangriffen auf die iranischen Atomanlagen gedroht hat.

Die IAEO forderte zum Auftakt der Gespräche Zugang zu den Nuklearanlagen im Iran. Die IAEO- Inspektoren müssten auch mit Mitarbeitern der Anlagen sprechen und Informationen sammeln können, sagte Nackaerts. Die UN-Unterorganisation geht Vorwürfen nach, das Land arbeite insgeheim an Atomwaffen. Die Führung in Teheran bestreitet das.

Der Iran als Mitglied des Atomwaffen-Sperrvertrages verweigert derzeit noch immer den Zugang zu bestimmten Forschungszentren, in denen der Westen geheime militärische Programme zum Bau einer Atombombe vermutet. Teheran weist diese Vorwürfe zurück und pocht auf sein Recht zur friedlichen Nutzung der Atomenergie.

Neue Verdachtsmomente über Atomprogramm

Unterdessen ist ein neuer Verdachtsmoment gegen den Iran wegen eines möglichen Atomwaffenprogramms aufgetaucht. Die israelische Zeitung "Haaretz" zeigte am Montag eine Computerzeichnung eines Objekts, das Experten als Druckkammer für Testexplosionen werten. Es soll sich in der geheimen iranischen Militäranlage Parchin befinden.Der frühere IAEO-Vizedirekter Olli Heinonen bezeichnete das Bild als akkurat. Es ähnle sehr einem Foto, das er kürzlich gesehen habe und von dem er annehme, dass es sich um eine Druckkammer in Parchin handle.

Die IAEO vermutet, dass in Parchin Tests im Rahmen der Atomwaffenforschung stattgefunden haben könnten. Der Iran verweigerte bisher den Inspektoren den Zutritt.

Aber nicht nur wegen seines Atomprogramms steht der Iran in der internationalen Kritik. Die iranische Menschenrechtsorganisation Human Rights Activists News Agency berichtete, dass neuerlich vier homosexuelle Männer wegen "Sodomie" zum Tode verurteilt worden sind. Anders als in früheren Fällen, in denen nicht immer klar war, ob Homosexuelle aufgrund von "Sodomie" oder ihnen vorgeworfener homosexueller Vergewaltigung schuldig gesprochen wurden, sei die Lage diesmal klar: Es existiert ein Text, aus dem ganz klar hervorgeht, dass Sodomie der Grund ist, warum die vier Männer gehängt werden sollen. Im Iran gelten aufgrund der islamischen Gesetzgebung Homosexuelle als "Feinde Allahs", was mit der Todesstrafe geahndet werden kann.