Kairo. Während der Revolution kämpften sie Seite an Seite mit den Männern für mehr Demokratie in ihrem Land. Nun stehen die Ägypterinnen vor einer neuen Herausforderung. Denn nach wie vor bleiben sie von der politischen Macht weitgehend ausgeschlossen. Frauen haben es in der ägyptischen Politik schwer: alle der 13 Bewerber für die von 23 bis 24 Mai angesetzte Präsidentschaftswahl sind männlich; keine einzige Frau steht zur Wahl. Im ägyptischen, mehrheitlich islamistisch dominierten Parlament sind nur zehn der insgesamt 508 Abgeordneten Frauen, nachdem die unter Ex-Machthaber Hosni Mubarak eingeführte Zwölfprozentfrauenquote vom Obersten Militärrat gestrichen wurde. Rund zwei Prozent der Abgeordneten im neu gewählten Parlament sind weiblich.

Zuletzt kritisierten Frauenverbände verstärkt, dass einige der Parlamentsmitglieder immer wieder die Rechte der Frauen in Ägypten infrage stellen würden. Als Begründung nannten die Abgeordneten, dass die Frauenrechte "Familien zerstören" würden.

Auch die Forderungen so mancher Präsidentschaftskandidaten lässt nicht auf eine baldige Veränderung der Situation hoffen. So fordern die Muslimbrüder, bei der Wahl durch Mohammed Mursi vertreten, schon seit Jahren, dass Frauen von wichtigen politischen Positionen fernzuhalten seien. Frauen und sollen demnach weder Präsident noch Regierungschef werden dürfen.

Trotz dieser entmutigenden Signale kommt Aufgeben für Mervat al-Talawi nicht infrage. Die Vorsitzende des Bundes ägyptischer Frauenvereine hat angekündigt, den Gewinner der Präsidentenwahl auffordern zu wollen, eine Frau als Vizepräsidentin zu nominieren. Sie zeigte sich optimistisch, die Zukunft der Frauen in der ägyptischen Gesellschaft verändern zu können. Im Rahmen einer Konferenz in Kairo erinnerte sie daran, dass der ehemalige Machthaber Mubarak die Gründung des Frauenbundes über 20 Jahre lang verhindert hatte.