Washington. Einmal mehr wird Afghanistan im Mittelpunkt stehen, wenn am Sonntag und Montag der Nato-Gipfel in Chicago stattfindet. US-Präsident Barack Obama trifft bereits vor Gipfelbeginn zu einem vertraulichen Gespräch mit dem afghanischen Staatschef Hamid Karzai zusammen, um sich über die Themen des Gipfeltreffens abzustimmen, teilte Obamas Nationaler Sicherheitsberater Tom Donilon mit. Die Nato will sich bei der Tagung schwerpunktmäßig mit der Lage in Afghanistan und dem für Ende 2014 geplanten Abzug ihrer Kampftruppen aus dem Land befassen.

Obama und Karzai hatten sich zuletzt am 2. Mai bei einem Blitzbesuch des US-Präsidenten in Afghanistan getroffen und ein Partnerschaftsabkommen über das Jahr 2014 hinaus unterzeichnet.

Die afghanische Regierung strebt bei dem Gipfel Zusagen für Finanzhilfen im Umfang von jährlich 4,1 Milliarden Dollar (gut 3,2 Milliarden Euro) für die Zeit nach dem Nato-Abzug an. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte Karsai bei einem Treffen am Mittwoch in Berlin 150 Millionen Euro pro Jahr zugesagt.

Karzai sagte am Freitag, dass sein Land noch mindestens zehn Jahre auf Hilfen der internationalen Gemeinschaft angewiesen sein werde. Der Krieg gegen den Terror sei nicht so erfolgreich gewesen, wie Afghanistan und die internationale Gemeinschaft es sich gewünscht hätten.

Sorge macht man sich in diplomatischen Kreisen wegen der Ankündigung des neuen französischen Präsidenten Francois Hollande, die rund 3400 französischen Soldaten aus Afghanistan schon bis Ende des Jahres abzuziehen - eineinhalb Jahre früher als ursprünglich vereinbart. Strategisch sei das kein Problem, aber politisch ein fatales Signal, kritisieren Diplomaten. Obamas Sicherheitsberater Donilon rief Frankreich dazu auf, weiterhin einen der "verschiedenen Beiträge" in Afghanistan zu leisten. Hollande traf mit Obama am Freitag in Washington zusammen.

Zum Nato-Gipfel wird auch der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari erwartet. Es wird damit gerechnet, dass bei dem Treffen die Blockade der wichtigen Versorgungsrouten der Nato durch Pakistan nach Afghanistan aufgehoben werden kann. Grund für die Schließung der Routen war die Tötung von 24 pakistanischen Soldaten bei US-Luftangriffen Ende November gewesen.

Faymann, Darabos und Waldner beim Nato-Gipfel

Von österreichischer Seitewerden Bundeskanzler Werner Faymann, Verteidigungsminister Norbert Darabos und Außenamts-Staatssekretär Wolfgang Waldner am Nato-Gipfel teilnehmen. Österreich will Afghanistan nach dem 2014 erfolgenden Abzug der internationalen Truppen mit 18 Millionen Euro Wiederaufbauhilfe unterstützen. Das Geld solle in drei jährlichen Tranchen zu je sechs Millionen Euro ausgezahlt werden. Derzeit hat Österreich drei Bundesheeroffiziere und fünf Polizisten in Afghanistan stationiert. Österreich ist vor allem wegen seines Engagements am Balkan von der Nato als eines von 13 "Kern-Partnerländern" zum Nato-Gipfel eingeladen worden.

Darabos traf im UNO-Hauptquartier in New York auch mit UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon und hohen UN-Vertretern zusammen, um die Lage in Syrien zu besprechen. Er bekundete gegenüber Ban die Bereitschaft Österreichs, an der UN-Beobachtermission in Syrien teilzunehmen, falls Bedarf bestehe. Laut Ban gibt es jedoch bereits genügend Militärbeobachter aus 41 Nationen. Ban habe darauf hingewiesen, dass sich derzeit bereits 260 Beobachter in Syrien befänden, die vereinbarte Zahl von 300 werde bald erreicht sein.