Bamako. Nach der Ausrufung eines unabhängigen moslemischen Staates im Norden Malis durch Tuareg-Rebellen und Islamisten haben die neuen Machthaber am Montag betont, keine strikte Form der Scharia einführen zu wollen. Allerdings werde der Koran in der Republik Azawad die Grundlage des Gesetzes darstellen, erklärte Rebellensprecher Moussa Ag Acharatoumane. Religiöse Führer und Rechtsexperten sollen nun gemeinsam festlegen, wie die islamische Rechtsprechung im neuen Staat zu interpretieren sei.

Die Tuareg und die Islamistengruppe Ansar Dine haben am Sonntag in Gao ein Abkommen zur Errichtung der Republik Azawad unterzeichnet. Gao war von den Rebellen Anfang April gemeinsam mit den beiden anderen strategisch wichtigen Städten Kidal und Timbuktu eingenommen worden. Damals hatten die Islamisten bereits nach wenigen Tagen erklärt, in den eroberten Gebieten die Scharia einführen zu wollen, die Tuareg sträubten sich allerdings zunächst dagegen. Flüchtlinge aus Gao berichteten jedoch, dass sich Frauen nicht mehr kleiden dürften, wie sie wollten, und dass Bars und Nachtclubs in Gao dem Erdboden gleichgemacht worden seien.

Die Regierung in Bamako hat die Unabhängigkeit Azawads nicht anerkannt. Mali werde ungeteilt und säkular bleiben, erklärte ein Sprecher.