Leidschendam. Als erstes Staatsoberhaupt seit den Nürnberger Prozessen wurde der frühere liberianische Staatschef Charles Taylor wegen Kriegsverbrechen in Sierra Leone am Mittwch zu 50 Jahren Gefängnis verurteilt. Das Sondertribunal im niederländischen Leidschendam bei Den Haag verkündete das Strafmaß, nachdem Taylor bereits am 26. April schuldig gesprochen worden war.

Die Verurteilung zu 50 Jahren Haft fiel laut Richter Richard Lussick einstimmig. Taylor sei dafür verantwortlich, zu einigen der hasserfülltesten Verbrechen der Menschheitsgeschichte aufgerufen und diese geplant zu haben.

Da das UNO-Sondertribunal ihm die bereits abgesessene Zeit in Gewahrsam anrechnete, bleiben knapp 44 Jahre. Das kommt für den 64-Jährigen einer lebenslangen Strafe gleich. Die Anklage hatte am 3. Mai eine Haftstrafe von 80 Jahren empfohlen.

Die Richter erklärten in ihrer Urteilsbegründung, Taylor habe zwar eine entscheidende Rolle bei den Verbrechen gespielt, allerdings nicht die effektive Kontrolle über die Rebellen in Sierra Leone gehabt, die unmittelbar für die Straftaten verantwortlich seien. Allerdings komme erschwerend hinzu, dass Taylor das öffentliche Vertrauen als Präsident Liberias verraten und zudem keine Reue gezeigt habe.

Taylor, nahm das Urteil mit geschlossenen Augen entgegen. Er hatte auf nicht schuldig plädiert. Zuletzt hatte er sich Mitte Mai vor Gericht geäußert und erklärt, er habe "alles für den Frieden" in Sierra Leone getan. Der Staatsanwaltschaft warf er vor, Zeugen gekauft und bedroht zu haben. Wie die Anklage hat auch die Verteidigung Taylors die Möglichkeit, das Urteil und das Strafmaß anzufechten. Ein entsprechender Berufungsantrag muss innerhalb von 14 Tagen eingereicht werden.

120.000 Tote

Taylor war am 26. April von dem internationalen Tribunal für schuldig befunden worden, als Präsident Liberias während des Bürgerkriegs im benachbarten Sierra Leone die Rebellen der Revolutionären Vereinten Front (RUF) unterstützt zu haben. Taylor bewaffnete nach Überzeugung des Gerichts die Rebellen, die Kindersoldaten rekrutierten und Gräueltaten an Zivilisten begingen, und ließ seine Truppen an deren Seite kämpfen. Im Gegenzug soll sich Taylor sogenannte Blutdiamanten beschafft haben. Während des Krieges wurden zwischen 1991 und 2002 etwa 120.000 Menschen getötet.

In dem Prozess mit mehr als 100 Zeugen, der am 4. Juni 2007 eröffnet worden war, sagten Prominente aus wie die US-Schauspielerin Mia Farrow, der frühere südafrikanischen Präsident Nelson Mandela und das britische Top-Model Naomi Campbell. Sie hatte einst nach einem Benefiz-Dinner in Kapstadt Diamanten geschenkt bekommen, die laut Anklage von Taylor stammten.

Taylor, der bereits 1989 einen bewaffneten Aufstand gegen Liberias Präsidenten Samue Doe initiert und damit den ersten liberianischen Bürgerkrieg ausgelöst hatte, war zwischen 1997 und 2003 Präsident von Liberia. Nach einer Rebellion flüchtete er 2003 und wurde 2006 im nigerianischen Exil festgenommen. Aus Sicherheitsgründen wurde der Prozess 2006 von Freetown in Sierra Leone nach Leidschendam in den Niederlanden verlegt.

Taylor soll seine Haftstrafe in einem britischen Gefängnis verbüßen. Das Angebot Großbritanniens aus dem Jahr 2007, Taylor im Falle eines Schuldspruches in Haft zu nehmen, war Teil der Abmachung, ihn in den Niederlanden vor Gericht zu stellen.

Das Strafmaß wurde von den Opfern des Bürgerkriegs in Sierra Leone am Mittwoch mit Freude aufgenommen. Bereits die Verurteilung Taylors im April war von der internationalen Gemeinschaft und zahlreichen Nichtregierungsorganisationen begrüßt worden.